In Pisa schauen alle auf den schiefen Turm, und niemand bemerkt, dass auch dieser Palast am Arnoufer schief steht: Die Fassade neigt sich nach rechts durch langsames Absinken des Bodens, desselben weichen Grundes, auf dem die ganze Stadt steht. Man nennt ihn den Roten Palast nach der Farbe des Backsteins, und er ist einer der schönsten am Fluss.
Sehenswertes
Errichtet wurde er in der ersten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts durch Verbindung zweier älterer Geschlechtertürme. Statt des teuren Steins verwendeten die Bauleute genormte Terrakottateile und erzielten dieselbe Wirkung zu geringerem Preis: Die Platten sind mit Wappen und Pflanzenmotiven verziert, und fünf Ziegelpilaster steigen von der Straße bis zum Dach.
Im Erdgeschoss liegen vier Segmentbögen, in denen Läden untergebracht waren; darüber öffnen sich Zwei- und Dreibogenfenster mit Marmorsäulchen. Seit 1775 beherbergt einer dieser Läden das historische Café der Stadt, im neunzehnten Jahrhundert Treffpunkt von Studenten und Verschwörern, und seit 1899 gibt es im Gebäude auch einen Kinosaal.
Der Besuch
Der Palast steht am Lungarno Pacinotti, fünf Minuten von der Ponte di Mezzo; er ist Privatbesitz und nicht zu besichtigen, doch das Erdgeschoss ist öffentlich, weil dort Café und Kino sind, und die Fassade sieht man am besten vom anderen Ufer. Eine halbe Stunde.
Tipp der Redaktion
Stellen Sie sich seitlich unter die Fassade und blicken Sie die Linie der Pilaster entlang: Die Neigung ist mit bloßem Auge zu sehen. Der berühmte Turm ist keine Ausnahme, er ist der auffälligste Fall eines Zustands, der das halbe Pisa betrifft, und dieser Palast ist der Beweis, zu bewundern ohne Schlange und ohne Karte.
