1997 schenkte der Orthopäde Raffaele Paparella Treccia der Stadt Pescara seine Kunstsammlung und das Haus, das sie beherbergt, und begründete damit die Stiftung, die seinen Namen und den seiner Frau Margherita Devlet trägt. Das Museo Paparella Treccia Devlet hat seinen Sitz in der Villa Urania, einem kleinen Bau im eklektischen Stil vom Ende des 19. Jahrhunderts. Baron Giandomenico Treccia aus Loreto Aprutino ließ ihn als Sommersitz für seine Frau Urania Valentini errichten; das Haus steht im Zentrum der Stadt, nicht weit vom Meer, in der damaligen Ortschaft Castellammare Adriatico.
Sehenswertes
Im Mittelpunkt des Rundgangs steht die ständige Sammlung von 151 alten Majoliken aus Castelli, entstanden zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert. Die Sammlung zeigt die technische und ästhetische Entwicklung der Keramik von Castelli: Sie beginnt beim compendiario-Stil des 16. und 17. Jahrhunderts, bekannt für die typischen „bianchi“ und die Schlichtheit der Formen, führt weiter zu den vielteiligen erzählenden, religiösen, historischen und mythologischen Darstellungen des Barock und reicht bis zu den Ausdrucksformen von Rokoko und Klassizismus. Unter den vertretenen Meistern finden sich Francesco Grue, Carlo Antonio Grue, Francesco Antonio Grue, Carmine Gentili, Gesualdo Fuina, Candeloro Cappelletti und Silvio De Martinis. Neben der Keramik bewahrt das Haus Gemälde, darunter eine spätgotische Geburt Christi aus dem 15. Jahrhundert, die dem Meister des Triptychons von Imola zugeschrieben wird, ein Selbstbildnis des Toskaners Pietro Santi Bambocci aus dem 18. Jahrhundert, das Bildnis eines Edelmanns des österreichischen Hofmalers Anton Von Maron und Bilder mit Kathedraleninnenräumen des 17. Jahrhunderts aus dem Umkreis von Agostino Tassi und der Schule des François Didier de Nomé.
Der Besuch
Das viereckige Wohnhaus erstreckt sich über eine einzige Ebene, über der ein mittiger Dachaufbau mit Giebel sitzt. Dieser öffnet sich auf eine Terrasse, die von vier dorischen Säulen getragen wird und drei Rundbögen bildet. Geführt wird das Museum von der gemeinnützigen Stiftung in Zusammenarbeit mit der Stadt Pescara.
Tipp der Redaktion
Stell unterwegs die Teller im compendiario-Stil des 16. Jahrhunderts direkt neben die Majoliken der Grue aus dem 18. Jahrhundert: So siehst du, wie aus einer knappen Bildsprache dichte erzählerische Details werden.
