Fast zwei Jahrhunderte lang war diese gotische Kirche das Gefängnis von Parma. Nach den napoleonischen Aufhebungen von 1800 wurden die Brüder vertrieben, und im Schiff baute man Geschosse, Abschnitte und Zellen ein; der letzte Häftling kam 1993 heraus. Zuvor war es die Kirche der Franziskaner, im dreizehnten Jahrhundert mit dem Material und der Arbeit errichtet, die die Leute der Stadt herbeitrugen.
Sehenswertes
Die Backsteinfront trägt die Fensterrose von 1461, so breit wie eine Parmesaner Rute und in sechzehn Speichen geteilt. Der Bau ist sorgsam ausgerichtet: Die Apsis blickt zur Sonne, die zur Wintersonnenwende aufgeht, die Rose fängt jene ein, die zur Sommersonnenwende untergeht, und das Licht drinnen gleicht dem keiner anderen Kirche der Stadt.
Das Gefängnis hinterließ seine Spuren: die in die Flanken geschnittenen rechteckigen Fenster, die abgebrochene Vorhalle, den zu Strafzellen umgebauten Glockenturm, in dem auch der Mörder des Königs saß. Doch die graue Farbe, über die gotischen Fresken gestrichen, um sie zu tilgen, hat sie teils geschützt: Darunter kam der Christus der Apsis wieder zum Vorschein. Das Schiff ist länger als das des Doms.
Der Besuch
Die Kirche liegt am Piazzale San Francesco, zehn Minuten zu Fuß vom Dom; sie wurde 2021 nach einer Restaurierung neu geweiht, die an den Fresken weitergeht, also ist sie offen, mit Zeiten je nach Baustelle und Gottesdienst. Eine Dreiviertelstunde.
Tipp der Redaktion
Betrachten Sie die Flanken von außen und zählen Sie die Reihen rechteckiger Fenster: Das sind die Gefängnisgeschosse, eingeschnitten in eine Kirche von einer einzigen Schiffshöhe. Treten Sie dann ein und heben Sie den Kopf in den leeren Raum: dieselbe Höhe, ohne die Decken. Keine Erklärung vermittelt diesen Sprung besser als diese zwei Blicke.
