Im Jahr 1799 setzten nicht fremde Truppen der Burg von Torriglia ein Ende, sondern die Bewohner des Ortes selbst: Sie stiegen hinauf und stürmten sie, während die napoleonischen Umwälzungen die Reichslehen hinwegfegten. Aus den Jahrhunderten davor bleibt ein unsicheres Gründungsdatum. Örtliche Quellen nennen das Jahr 1000 oder kurz danach, doch der erste sichere Beleg ist eine Bulle von Papst Anastasius IV. aus dem Jahr 1153. Ab 1180 gehörte die Burg den Malaspina, die sie mit Zustimmung Kaiser Friedrichs II. von Schwaben bis 1250 hielten; in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts fiel sie an die Fieschi, die Grafen von Lavagna. Sie überstand die Belagerung durch Raffaele Adorno im Jahr 1392, fiel 1450 an die Mailänder Truppen von Filippo Maria Visconti und war zwei Jahre später wieder in der Hand der Fieschi, die sie bis 1547 kontrollierten. Nach der Verschwörung jenes Jahres ging das Lehen an die Doria, die daraus eine Markgrafschaft und dann ein eigenständiges Fürstentum machten und den Bau von Grund auf veränderten.
Sehenswertes
Das sprechendste Stück ist der Turm am nördlichen Ende der Anlage: quadratisch, 19 m hoch, mit guelfischen Zinnen bekrönt, in Formen, die Fachleute dem Umbau unter den Fieschi zuschreiben. Von unten betrachtet zeigt er zwei verschiedene Bauphasen: unten große, gleichmäßig behauene Steinblöcke, die manche Historiker in eine sehr frühe, womöglich römische Zeit datieren; darüber im Ofen gebrannte Ziegel, abgeschlossen von unregelmäßigen Steinen. Im Turm lagen Räume, in denen Gefangene festgehalten und gefoltert wurden, wie Dokumente über zahlreiche Fluchtversuche belegen.
Vom übrigen Bau lässt sich vor allem der Grundriss lesen. Die Burg war rechteckig, vielleicht von einem Graben umgeben, und erstreckte sich über zwei oder mehr Geschosse mit einem Salon, einem großen Saal, den Kammern, den Vorratsräumen und der Waffenkammer; in der runden, nach Osten gerichteten Bastion fanden eine Kapelle und der Archivraum Platz. Vom Ort führten zwei Gassen hinauf, die sich oben nahe der sogenannten torretta trafen, einem viereckigen Bau mit spitzem Dach; von dort ging es weiter zum Garten des Fürsten, dem heutigen Park.
Der Besuch
Seit 2009 ist die Burg wieder öffentlich zugänglich, nach Sanierungsarbeiten, die das italienische Kulturministerium und die Region Ligurien finanziert haben. Man erreicht sie zu Fuß vom Ort aus über die via al Castello in Richtung der Ortslage Colomba. Oben erwartet einen eine gesicherte Ruine, keine eingerichtete Burg: Mauerwerk, der Sockel des Turms, der Umriss der Anlage und weit darunter das Dorf.
Tipp der Redaktion
Es lohnt sich, am Fuß des Turms ein paar Minuten zu bleiben: Der Bruch zwischen behauenem Stein und Ziegel erzählt von den Zerstörungen und Wiederaufbauten deutlicher als jede Tafel, und genau deshalb ist das Gründungsdatum bis heute offen. Und wir möchten daran erinnern, was die Mauern nicht verraten: Im Zweiten Weltkrieg diente die Ruine ein letztes Mal als Unterschlupf und Beobachtungsposten für Partisanengruppen.
