Am Corso Magenta, zwischen zwei gewöhnlichen Häusern, steht eine Fassade, die sich bewegt: Sie tritt zurück, springt vor, wölbt sich über dem Tor und füllt sich mit Gesimsen, Konsolen und Figuren, die die Balkone tragen. Es ist die theatralischste Front des Mailänder Barocks, 1752 von Bartolomeo Bolli einem Gebäude hinzugefügt, das schon ein Jahrhundert dort stand. Der Palazzo Litta wurde ab 1642 für Graf Bartolomeo Arese errichtet, den mächtigsten Mann des spanischen Mailand, und hat seither dreimal den Namen gewechselt, mit den Familien, die darin wohnten.
Sehenswertes
Das Glanzstück ist die Ehrentreppe: zwei nebeneinander aufsteigende Läufe, die sich auf einem Podest treffen, alles in hellem Stein, mit Licht von oben. Sie wurde gebaut, damit die Gäste beim Hinaufgehen gesehen würden, und so wirkt sie noch: Wer sie hinaufgeht, auch ein Angestellter auf dem Weg ins Büro, ist zwanzig Sekunden lang jemand. Darunter ist der Ehrenhof mit gekuppelten Säulen aus dem siebzehnten Jahrhundert, nüchtern und geordnet, das genaue Gegenteil der Fassade.
Im Hauptgeschoss öffnen sich die freskierten Säle, darunter der rote Saal, in dessen Boden der Überlieferung nach eine Perle eingelassen ist: die Träne der Herzogin Litta, geweint beim Abschied vom Sohn, der in den Krieg zog. Es ist eine Legende, die niemand je bewiesen hat, doch in Mailand erzählt man sie seit Generationen. Im Palast befindet sich auch das Teatro Litta, eines der ältesten der Stadt und noch in Betrieb.
Der Besuch
Der Palast liegt am Corso Magenta, fünf Minuten von Cadorna und zehn vom Dom. Heute beherbergt er staatliche Kulturbehörden: Hof und Treppe sind in der Regel zu den Bürozeiten zu sehen, die Prunkräume öffnen für Ausstellungen, Konzerte und die Designwoche, wenn der Hof zu einem der vollsten Orte der Stadt wird. Eine halbe Stunde.
Tipp der Redaktion
Gehen Sie vor dem Eintreten über die Straße und betrachten Sie die Front vom gegenüberliegenden Gehsteig: Nur von dort sieht man, dass die Wand nicht flach ist, sondern wie eine Welle gezeichnet, und dass die Figuren unter den Balkonen sich unter dem Gewicht beugen. Treten Sie dann in den Hof und wenden Sie sich zum Tor zurück: Von innen verschwindet die barocke Front, und es bleibt ein strenger Hof des siebzehnten Jahrhunderts. Zwei Epochen, eine Tür dazwischen.
