Das Mahnmal steht auf dem Bahnhofsvorplatz, und es steht dort aus einem genauen Grund: Von diesen Gleisen wurden 329 ausländische Juden am 21. November 1943 in Viehwaggons verladen und nach Nizza gebracht, dann nach Drancy und schließlich nach Auschwitz. Fast alle waren Flüchtlinge, die im September von Saint-Martin-Vésubie über die Seealpen gekommen waren und die die SS in der ehemaligen Alpini-Kaserne am Ortsrand eingesperrt hatte. Am 15. Februar 1944 fuhren vom selben Gleis weitere sechsundzwanzig italienische Juden fort.
Sehenswertes
Das Werk, 2006 nach einem Entwurf der Architekten Manuel Giuliano und Andrea Grottaroli eingeweiht, ist eine Stahlbetonplatte, die den Verladebahnsteig der Güterwagen andeutet: ein Stück Eisenbahn, kein pathetisches Denkmal. Auf der Platte stehen zwanzig aufrechte Silhouetten, das sind die Überlebenden. Am Boden sind dreihundertfünfunddreißig Metallplatten befestigt, eine für jeden, der nicht zurückkam, und auf jeder stehen Vorname, Nachname, Alter und das Kürzel des Herkunftslandes. Dazwischen zu gehen heißt, einen nach dem anderen die Namen zu lesen, die die Deportationslisten auf eine Zahl reduziert hatten.
Der Besuch
Der Platz liegt im Freien und ist immer zugänglich, ohne Eintritt. Wenige Schritte entfernt, in der ehemaligen Kirche Sant'Anna, erzählt das Museum MEMO4345 dieselbe Geschichte ausführlich, und der Besuch ergibt in dieser Reihenfolge Sinn: erst die Platten, dann die Lebensläufe. Es lohnt sich, vom Bahnhof zu Fuß zu kommen, der noch in Betrieb ist, denn der Weg vom Bahnsteig zum Mahnmal ist derselbe, den die Deportierten gingen.
Tipp der Redaktion
Die Altersangaben auf den Platten sind das, was bleibt. Es sind ganze Familien, Kinder eingeschlossen, und die Herkunftsländer beschreiben ein Europa, das schon zwei- oder dreimal umgezogen war, bevor es hier ankam: Polen, Deutsche, Österreicher, Ungarn, über Frankreich gelangt und dann über die Berge zurückgedrängt. Wenn Sie nur für eine Geste Zeit haben, suchen Sie die Platten mit demselben Nachnamen: Das sind die Familien, und sie stehen in einer Reihe.
