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⛪ Kirchen und Heiligtümer

chiesa di Santa Cristina

📍 Torino, Piemont · 51/100

Eine Zeit lang hieß sie die Kirche der Dienstboten. Die Sonntagsmesse fand am frühen Nachmittag statt und wurde vom Gesinde der herrschaftlichen Häuser ringsum besucht: Sonntags hatten sie einen halben Tag frei und mussten bis vier zurück sein. Der aristokratischste Platz Turins, und seine Kirche geliehen von denen, die in den Häusern arbeiteten.

Sehenswertes

Die Kirche stiftete 1639 die Regentin Christine von Frankreich im Gedenken an ihren erstgeborenen Sohn, der kurz zuvor als Kind gestorben war. Begonnen wurden die Arbeiten von Carlo di Castellamonte, der ein Jahr später starb, und von seinem Sohn Amedeo fortgeführt; dann stockte die Baustelle, und der Bau blieb jahrzehntelang ohne Fassade. Die Fassade kam fast achtzig Jahre nach der Gründung und ist Filippo Juvarras erstes Turiner Werk: zwei übereinandergesetzte Ordnungen, ein sich krümmender Mittelteil, dicht gestellte Säulen und Statuen von Heiligen und Tugenden.

Innen ein einziges Schiff mit ausgemaltem Tonnengewölbe: Neun Felder erzählen das Martyrium der heiligen Christina von Bolsena. Hinter dem Altar steht eine Orgel des achtzehnten Jahrhunderts von einem neapolitanischen Orgelbauer. Die Kirche hat ein bewegtes Leben hinter sich: Bei den napoleonischen Säkularisationen wurde sie 1802 in eine Handelsbörse verwandelt und das Kloster nebenan aufgehoben; mit der Restauration wurde sie wieder Kirche, und in den Jahren des Umbaus der Via Roma verlor sie das Kloster und fast die ganze Apsis.

Der Besuch

Die Kirche steht an der Piazza San Carlo, an der Südseite, neben ihrer Zwillingskirche San Carlo. Sie ist Gottesdienstort und hat eigene Zeiten, wobei die Messen Vorrang haben. Zwanzig Minuten.

Tipp der Redaktion

Betrachten Sie die Front, gehen Sie dann herum und sehen Sie sich die Rückseite an, an der Piazza C.L.N. Vorn Juvarras Barock; hinten die Architektur der dreißiger Jahre, mit einem Brunnenstandbild an der Kirchenmauer. Es sind Gesicht und Rücken desselben Baus, und dazwischen liegen drei Jahrhunderte. Wenige Bauten erzählen einen Epochenwechsel so, indem sie einfach stehen bleiben.

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