Am 27. Dezember 2000 erkannte Gianfranco Lionetti am Ufer des Lago di San Giuliano einen Teil des fossilen Skeletts eines Wals aus dem Pleistozän, ursprünglich rund 27 Meter lang. Im August 2006 brachte ein Absinken des Wasserstands weitere Knochen zutage; die Grabung endete 2011, und die Funde traten, in maßgefertigten Holzkisten verpackt, den Weg nach Matera an. Der See, der sie bewahrt hatte, ist jung: Er entstand zwischen 1950 und 1957 durch die Aufstauung des Bradano, ein Bewässerungswerk aus Mitteln des Marshallplans.
Sehenswertes
Die Vögel kamen gleich nach dem Wasser, und ihretwegen gibt es das Schutzgebiet: rund 180 Arten sind gezählt. Zu den Wasservögeln gehören Graureiher, Seidenreiher, Haubentaucher und Blässhühner; der Winter bringt Silberreiher, Kormoran, Tafelente, Pfeifente, Brandgans, Graugans und die seltene Moorente. Darüber ziehen Rotmilan und Schwarzmilan, der Mäusebussard, hin und wieder ein Fischadler; an den Wänden der Schlucht zeigt sich der Schmutzgeier. Die winzige Beutelmeise ist das Zeichen der WWF-Oase.
Der See bedeckt 9,3 km² und hält rund 100 Millionen Kubikmeter Wasser hinter einer 38,3 Meter hohen Staumauer. Das linke Ufer, auf der Seite von Matera, fällt flach ab; das rechte, auf dem Gebiet von Miglionico und Grottole, ist welliger und stürzt steiler. Ringsum zieht sich ein Aufforstungsgürtel aus Aleppokiefer, Zypresse und Eukalyptus, und zwischen Bäumen und Wasser tauchen, je nach Füllstand, Wiesen auf, die überschwemmt werden und wieder erscheinen. Unterhalb der Staumauer schneidet der Bradano eine stellenweise 50 Meter tiefe Schlucht, seit 1991 Teil des Parks der Murgia Materana und damit der UNESCO-Liste.
Der Besuch
Man kommt über die Ausfahrt zum Lago San Giuliano an der Staatsstraße 7, rund zehn Kilometer außerhalb von Matera. Das Gebiet misst 1000 Hektar und liegt auf dem Boden dreier Gemeinden, Matera, Miglionico und Grottole: Es wurde 2000 durch Regionalgesetz eingerichtet und der Provinz Matera übertragen, während die naturkundliche Betreuung schon 1989 an den WWF gegangen war. Seit Mai 2003 steht es auf der italienischen Liste der Feuchtgebiete der Ramsar-Konvention. Die richtige Jahreszeit ist der Winter, wenn die Überwinterer eintreffen.
Tipp der Redaktion
Beschließen Sie den Tag im Nationalen Archäologischen Museum Domenico Ridola in Matera: Der Wal aus dem See kam 2013 dorthin, und seit Dezember 2022 ist ein Teil der Reste zu sehen, darunter der rechte Oberarmknochen und die Paukenblase, im Rundgang mit dem Titel „Giuliana degli Abissi“. Wer vorher das Ufer abgelaufen ist, aus dem er kam, sieht die Vitrine anders.
