Am 27. Dezember 2000 erkannte Gianfranco Lionetti am Ufer des Sees die Knochen eines Wals aus dem Pleistozän, ursprünglich etwa 27 Meter lang. Im August 2006 kam das Skelett bei niedrigem Wasserstand erneut zum Vorschein; die Grabung endete 2011, und die Reste reisten, in Gipsmänteln und Holzkisten verpackt, in das Nationale Archäologische Museum Domenico Ridola in Matera, wo sie seit Dezember 2022 als Giuliana degli Abissi zu sehen sind. Der See, der sie bewahrt hat, ist nicht natürlich: Er entstand zwischen 1950 und 1957 durch die Stauung des Bradano, finanziert vom Marshallplan zur Bewässerung der Felder.
Sehenswertes
Der Stausee zog sofort Wasservögel an, und der Schutz kam in Schichten: 1976 ein Schutzgebiet für die Tierwelt, im Jahr darauf der Landschaftsschutz, 1989 die naturkundliche Betreuung durch den WWF Italia nach einer Vereinbarung mit dem Consorzio di Bonifica di Bradano e Metaponto, 2000 das regionale Naturschutzgebiet über 1000 Hektar auf dem Gebiet von Matera, Miglionico und Grottole, seit Mai 2003 ein Ramsar-Gebiet. Seit 1991 gehört die Schlucht des Bradano unterhalb der Staumauer zum Parco della Murgia Materana und damit zum UNESCO-Welterbe.
Rund 180 Vogelarten sind gezählt worden. Im Winter kommen Silberreiher, Kormoran, Tafelente, Pfeifente, Brandgans, Graugans und die seltene Moorente; auf dem Wasser bleiben Graureiher, Seidenreiher, Haubentaucher und Blässhühner. Unter den Greifvögeln finden sich Rot- und Schwarzmilan, Mäusebussard, hin und wieder ein Fischadler und an den Schluchtwänden der Schmutzgeier. Wahrzeichen der WWF-Oase ist ein winziger Singvogel, die Beutelmeise. An Land leben Stachelschwein, Dachs, Wildkatze, Steinmarder und einige Fischotter. Das Ufer auf der Seite von Matera ist flacher, das von Miglionico und Grottole welliger und steiler; um das Wasser zieht sich ein Aufforstungsgürtel aus Aleppokiefer, Zypresse und Eukalyptus, und zwischen den Kiefern und dem See liegen Wiesen, die der Stausee je nach Pegel überflutet und wieder freigibt.
Der Besuch
Der Zugang liegt an der Ausfahrt Lago San Giuliano der Staatsstraße 7, etwa zehn Kilometer von Matera entfernt. Winter und Zugzeiten sind die richtigen Momente: Dann sind die Wasservögel zahlreich. Schauen Sie zuerst auf die zeitweise überschwemmten Wiesen zwischen Aufforstung und Ufer, denn dort entscheidet der Wasserstand, was zu sehen ist; unterhalb der Staumauer fließt der Bradano in einer stellenweise fünfzig Meter tiefen Schlucht, mit Pappeln, Weiden und Tamarisken auf der Sohle und Trockenpflanzen an der Kante.
Tipp der Redaktion
Beschließen Sie den Tag in Matera im Museo Ridola: Der Wal, an dem Sie am Ufer vorbeigegangen sind, steht dort, und der im Dezember 2022 eröffnete Rundgang beginnt mit dem rechten Oberarmknochen und der Paukenblase, dazu Reste von Tieren und Wasserpflanzen, die mit ihm gefunden wurden.
