🏰 Burgen und Schlösser

Batteria di Punta Chiappa

📍 Camogli, Ligurien · 43/100

In einem der Luftschutzräume ist noch ein deutscher Satz zu lesen: „Spiele nicht mit ein Gewehr, denn es könnt geladen sein“. Es ist die Stimme der letzten Besatzer eines Stützpunkts, der nie geschossen hat: die 202. Küstenbatterie des Regio Esercito, Ende der dreißiger Jahre an der Westflanke der Halbinsel von Portofino errichtet, als Abwehrsystem gegen Schiffe im Ostteil des Golfs von Genua. Zusammen mit den Batterien von Arenzano, Monte Moro und Pegli bildete sie den Gürtel, der die Stadt im Zweiten Weltkrieg schützen sollte.

Sehenswertes

Die ursprüngliche Anlage hatte drei Geschütze 152/45 in Barbettelafetten auf ebenso vielen Betonplattformen. Für Feuerleitung und Beobachtung nutzte die Mannschaft zwei Bunker aus Stahlbeton, die über einen in den Fels getriebenen Stollen verbunden waren; zwei weitere Stollen, bis zu 25 Meter lang, führten von den Wirtschaftsräumen zu den Munitionsdepots und den Unterkünften. Die Kasernen umfassten Krankenrevier, Kommandoraum, Schlafsaal, Magazin, Küchen und Latrinen, und der gesamte Stützpunkt war von Drahtverhauen und Minenfeldern umschlossen.

Die alliierten Seeangriffe vom 14. Juni 1940 und vom 9. Februar 1941 legten die Schwächen der Genueser Verteidigung offen: Die Schiffe blieben weit außerhalb der Reichweite der 152/45, und die Batterie erlebte nie ihre Feuertaufe. Nach dem 8. September 1943 übernahmen Einheiten der Wehrmacht und der Italienischen Sozialrepublik die Stellung, und die Organisation Todt baute sie nach deutschen Bunkerkriterien um: Anstelle zweier Bettungen entstanden zwei Kasematten in „Schildkrötenpanzer“-Form mit Flak-Geschützen 88 mm, während das Kommando nach San Rocco di Camogli in die Villa Giulia zog. Erhalten sind auch die Messbunker: einer in der Örtlichkeit il Bricco an der Südflanke des Monte di Portofino, dessen Blickfeld von Capo Mele bis zum Golf von La Spezia reichte, und ein zweiter in der Örtlichkeit Erbaio, neben einem Funkbunker, der wohl für ein deutsches Radargerät gedacht war.

Der Besuch

Das letzte Stück geht nur zu Fuß. Von der Via Aurelia steigt man zum Passo della Ruta hinauf und biegt oben zum Dorf San Rocco ab; von dort führt ein kurzer Aussichtsweg zur Örtlichkeit Fornelli und weiter zu den Stellungen. Es gibt keine Kasse und kein Licht, die Räume sind so, wie die Soldaten sie verlassen haben, und das Gestrüpp hat sich einen guten Teil zurückgeholt: feste Schuhe, eine Taschenlampe und Vorsicht beim Gehen, denn die Bettungen liegen unmittelbar über dem Abgrund.

Tipp der Redaktion

Suchen Sie vor der Tür des Kommandoraums die Metallklinge, die noch an ihrem ursprünglichen Platz steckt: Sie diente dazu, den Schlamm von den Sohlen zu streifen, und erzählt vom Alltag der Besatzung mehr als jeder Bunker. Über einem Türpfosten hängt noch ein Schild mit der Aufschrift „Chiappa“ und einem Wappenschildchen. Wir raten zum späten Nachmittag: Das flache Licht auf Beton und offenem Meer macht deutlich, warum die Geschütze ausgerechnet hier standen.

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