Auf halber Höhe des rechten Seitenschiffs steckt eine Granate. Am 9. Februar 1941 schlug beim britischen Flottenangriff auf Genua ein panzerbrechendes Geschoss von 381 mm aus den Rohren der HMS Malaya durch die Flanke der Kathedrale und blieb dort liegen, ohne zu zünden; heute steht an dieser Stelle eine originalgetreue Nachbildung, darunter die Tafel, die für die Rettung dankt. Knapp war es in neunhundert Jahren öfter. Die erste sichere Nachricht stammt von 878, als Bischof Sabatino die Reliquien des heiligen Romulus hierher überführen ließ; ab 1098 erneuerten die Magistri Antelami den Bau in romanischen Formen, bezahlt mit dem Geld der Kreuzzüge und den Steuern der Kommune, und Papst Gelasius II. weihte ihn am 10. Oktober 1118.
Sehenswertes
Die Fassade ist der meistfotografierte Teil und zugleich der beredteste: schwarz-weiße Streifen, drei Portale nach französischem Vorbild und zwei Glockentürme, die nie Zwillinge wurden. Nach dem Brand von 1296, ausgelöst durch die Kämpfe zwischen Guelfen und Ghibellinen, wurde das Programm gekürzt: Zwischen 1307 und 1312 vollendete man die Schauseite und zog nur den rechten Turm hoch, während der linke 1455 eine Loggia erhielt und der rechte 1522 seinen manieristischen Abschluss. An den Seiten blieben die romanischen Portale von San Giovanni im Norden und San Gottardo im Süden, dazu Teile der Apsis und der Schiffe, die das Feuer überstanden.
Im Inneren öffnet sich das linke Seitenschiff zur Kapelle Johannes des Täufers, im 15. Jahrhundert für die Asche des Heiligen errichtet, die Guglielmo Embriaco vom Ersten Kreuzzug mitbrachte. Um 1550 holte der Stadtrat Galeazzo Alessi, der alles neu bauen sollte: Der Plan blieb Stückwerk, doch die Kuppel über der Vierung nach dem Vorbild des Pantheon, die erneuerte Apsis und die Tonnengewölbe stammen von ihm. Die Lercari-Kapelle malten Luca Cambiaso und Giovan Battista Castello, genannt il Bergamasco, aus; im Presbyterium erzählt Lazzaro Tavarone zwischen vergoldetem Stuck die Geschichte des heiligen Laurentius. Unten bewahrt das Museo del Tesoro den Sacro Catino, eine islamische Schale aus grünem Glas, die in Genua jahrhundertelang für den Heiligen Gral gehalten wurde, und das Zaccaria-Kreuz, ein byzantinisches Reliquiar aus Ephesos.
Der Besuch
Die Kathedrale steht an ihrem eigenen Platz mitten im Netz der Caruggi, wenige Minuten von der Piazza De Ferrari und vom alten Hafen entfernt; erreichbar ist sie nur zu Fuß. Sie ist Mutterkirche des Erzbistums und weiterhin Gotteshaus, während der Gottesdienste ruht die Besichtigung also. Das Museo del Tesoro in der Unterkirche hat eigenen Eingang, eigenes Ticket und eigene Zeiten, oft kürzer als die der Kirche: vorher nachsehen lohnt sich.
Tipp der Redaktion
Vor dem Eintreten stellen wir uns ans hintere Ende des Platzes und schauen die beiden Türme an: der eine 1455 mit einer Loggia geschlossen, der andere 1522, dazwischen das aufgegebene Projekt der Zwillingstürme. Drinnen suchen wir zuerst die Granate von 1941 im rechten Seitenschiff, kleiner als gedacht, und gehen dann außen die Nordflanke entlang bis zum romanischen Portal von San Giovanni, dem am wenigsten veränderten Stück des Baus.
