An zwei der vier Seiten des Kreuzgangs von San Lorenzo fehlen die romanischen Doppelsäulchen: Im 17. Jahrhundert ersetzte man sie durch Pfeiler, weil zwei weitere Geschosse gebraucht wurden und die schlanken Säulen sie nicht getragen hätten. Der Rest blieb, wie er war, zwei Bogenreihen und Kapitelle mit Wasserblattdekor, und hier liegt der Eingang zum Diözesanmuseum von Genua, das am 16. Dezember 2000 im Palazzo dei Canonici eröffnet wurde. Der Bau entstand zwischen 1176 und 1184 als Wohnsitz der Domherren, mit der Kathedrale durch einen hängenden Gang verbunden, und schloss ein Gebäude des 10. Jahrhunderts ein, vielleicht einen alten Bischofspalast.
Sehenswertes
Der Rundgang beginnt unter der Erde, in den Räumen mit den Funden aus dem Areal und den ältesten Stücken der Sammlung: ein Beinkamm des 4. bis 6. Jahrhunderts, das Bruchstück eines römischen Sarkophags und das Grabmal des Kardinals Luca Fieschi, um 1336 von der Schule des Giovanni di Balduccio aus Pisa gearbeitet. Darüber folgt die ligurische Malerei des 14. und 15. Jahrhunderts: das Polyptychon des heiligen Bartholomäus von Barnaba da Modena, das Polyptychon der Dreifaltigkeit des anonymen Meisters von Santa Maria delle Vigne und ein Freskenfragment von 1468 von Cristoforo De' Mottis, abgenommen aus der Kapelle de Marini im Dom.
Das 16. Jahrhundert füllt die Mitte des Hauses: das Polyptychon des heiligen Lazarus von Pier Francesco Sacchi aus der später abgerissenen gleichnamigen Kirche, das Dossale mit Szenen aus dem Leben Johannes' des Täufers von Teramo Piaggio, die thronende Madonna mit Heiligen von Perin del Vaga, datiert 1534, und eine Kreuzigung von Luca Cambiaso. Neben den Gemälden stehen Textilien und Silber: ein flämisches Antependium mit der Beweinung Christi, um 1515 gestickt, der Reliquienschrein für die Hand des heiligen Stephanus und das Repositorio, eine getriebene Silberurne, die Placidia Doria 1615 der Kirche San Siro schenkte. Den Schluss macht der Barock mit der Madonna von Loreto des Domenico Fiasella und zwei Leinwänden von Gregorio de Ferrari.
Der Besuch
Man betritt das Museum vom Kreuzgang an der Flanke der Kathedrale San Lorenzo, mitten in der Altstadt und wenige Minuten von der Piazza De Ferrari; es verteilt sich über mehrere Ebenen, vom Keller bis zum ersten Stock, und in Ruhe braucht der Rundgang etwa anderthalb Stunden. Die Öffnungszeiten sind knapp und wechseln mit der Saison, man prüft sie besser vorher auf der Website. Das Ticket gilt nicht für das Museum des Domschatzes, das wenige Meter entfernt liegt und einen eigenen Besuch verdient.
Tipp der Redaktion
Schauen Sie nicht nur auf die Werke, schauen Sie auf die Räume. Im ersten Stock liegen die bemalten Holzdecken des 13. Jahrhunderts, die Wandmalereien im Saal der Marmorspiegelungen mit dem Monatszyklus des 14. Jahrhunderts und die Fresken der Fasti del Capitolo aus dem 18. Jahrhundert. Sie sind der Teil des Museums, den kein Katalog wiedergibt, und sie erklären besser als jede Beschriftung, wie das Leben der Domherren neben der Kathedrale aussah.
