Die Familie Croce übergab das Gebäude 1951 der Stadt Genua unter einer bindenden Auflage: Es sollte ein Museum werden. Es dauerte vierunddreißig Jahre. 1985 öffnete die Villa in Carignano — ein Bau des 18. Jahrhunderts, im 19. Jahrhundert für Giovanni Giacomo Croce klassizistisch umgestaltet, über einem älteren Landsitz der Spinola — endlich ihre Säle für die Gegenwartskunst. Seither gehört sie zum städtischen Museumsverbund von Genua.
Sehenswertes
Der Kern der ständigen Sammlung trägt die Handschrift einer einzigen Person: Maria Cernuschi Ghiringhelli, Ehefrau des Mailänder Malers und Galeristen Gino Ghiringhelli, trug über Jahre den Bestand zusammen, der hier gelandet ist. Im zweiten Obergeschoss hängen Osvaldo Licini, Mauro Reggiani, Lucio Fontana, Piero Manzoni, Dadamaino, Giuseppe Uncini, Vincenzo Agnetti. Insgesamt bewahrt das Haus mehr als 3.000 Werke.
Neben den Meistern der zweiten Jahrhunderthälfte stehen jüngere Arbeiten: Adrian Paci, Marta dell'Angelo, Flavio Favelli, Alberto Tadiello, Ben Vautier. Das Erdgeschoss hat seine Temperamalerei im eklektischen Geschmack des späten 19. Jahrhunderts behalten und beherbergt den Vortragssaal sowie eine öffentlich zugängliche Fachbibliothek für zeitgenössische Kunst. Der erste Stock gehört den Wechselausstellungen, die von Design bis Video, von der Installation bis zur Fotografie reichen und Abstecher in Musik, Kino, Theater und Literatur machen. Neben den Neuheiten laufen historische Ausstellungen zu Persönlichkeiten und Bewegungen, welche die künstlerische Forschung verändert haben, dazu die stete Arbeit mit jungen Künstlern und Partnern im In- und Ausland.
Der Besuch
Die Villa liegt auf dem Hügel von Carignano, in einem öffentlichen Park mit Blick aufs Meer, hoch über dem Messegelände. Seit 2012 wird sie gemeinsam von der Stadt Genua, der Palazzo Ducale Fondazione per la Cultura und einer Gruppe privater Förderer getragen: Kuratorin war Ilaria Bonacossa von Juni 2012 bis Dezember 2017, seit Januar 2018 verantwortet Carlo Antonelli das Haus. Das Programm wechselt häufig und nicht immer sind alle Etagen zugänglich; ein Blick auf die laufenden Ausstellungen lohnt sich vor dem Aufstieg.
Tipp der Redaktion
Wir rechnen eine halbe Stunde für den Garten ein, nicht nur für die Säle. Der Park ist öffentlich und geht auf den Hafen hinaus: aus dem zweiten Stock zu treten und Kräne und Schiffe vor sich zu haben, die abstrakten Bilder noch im Auge, ist der beste Abschluss.
