An der Via Garibaldi Nummer 4 steht der Palast, den sich Tobia Pallavicino — reicher Alaunhändler aus einer der ältesten Adelsfamilien der Stadt — zwischen 1558 und 1561 errichten ließ. Es ist das erste bekannte Genueser Werk von Giovan Battista Castello, genannt il Bergamasco, der hier mit Bartolomeo Riccio, Domenico Solari und Antonio Roderio arbeitete. Am 13. Juli 2006 kam das Haus als einer der 42 Rolli-Paläste auf die Welterbeliste der UNESCO. Heute sitzt darin die Handelskammer.
Sehenswertes
Bergamasco kam von der Dekoration und der Freskomalerei her, und hier gehen Bau und Schmuck denselben Weg: Bossenwerk aus Finale-Stein im Erdgeschoss, ionische Pilaster im ersten Stock, eine Fassade von renaissancehafter Klarheit, die Alessi viel verdankt. Die beiden Vestibüle, im Erdgeschoss und im Hauptgeschoss, sind unversehrt erhalten. Unten laufen weiße Stuckrahmen zwischen feinen Grotesken und Fresken mit den Göttern des Olymp, in den mittleren Achtecken Juno und Leda; oben, im helleren Vestibül, werden die Farben kräftiger um Apollon mit der Kithara und den Musen.
Die zweite Schicht stammt aus dem 18. Jahrhundert. Unter den Carrega bekam das Haus ein Stockwerk hinzu und wurde mit zwei rechtwinkligen Flügeln zur Piazza del Ferro erweitert. Aus dieser Zeit stammen die Kapelle und die Galleria Dorata, die letzten Arbeiten von Lorenzo De Ferrari, kurz vor seinem Tod 1744 vollendet. In der Kapelle bildet eine Trompe-l'œil-Kolonnade aus vergoldetem Stuck und Fresko die Bühne für die Madonna Carrega, die Pierre Puget um 1680 schuf: Das Original steht im Museo di Sant'Agostino, seit 2004 ist hier eine Kopie zu sehen. Die Galleria Dorata, zwischen 1734 und 1744 entworfen, fasst vergoldeten Stuck, Spiegel und Fresken zu einem Zyklus nach der Aeneis zusammen, vom Rat der Götter im Gewölbe bis zur Flucht aus Troja, zu Aeneas und Dido und zur Niederlage des Turnus in den vier Rundbildern.
Der Besuch
Ein Museum mit Kasse ist das nicht: Im Palast arbeitet die Handelskammer, die Prunkräume sieht man bei den Sonderöffnungen des Rolli-Rundgangs oder nach Absprache. Die Via Garibaldi, die wenige Jahre zuvor von Cantoni angelegte Strada Nuova, ist in zehn Minuten von einem Ende zum anderen abgeschritten und reiht die übrigen Paläste des Systems auf; man nimmt dieses Haus also besser in eine größere Runde hinein, statt es allein anzusteuern.
Tipp der Redaktion
Stellen Sie sich in der Galleria Dorata in eine Ecke, nicht in die Mitte. Die Spiegel werfen die Fresken des Gewölbes zurück, und das Spiel aus Leinwand, vergoldetem Stuck und Reflex — worauf De Ferrari zielte — erschließt sich nur schräg. Gehen Sie danach ins Museo di Sant'Agostino zur Madonna von Puget: Was hier vor Ihnen steht, ist eine Kopie.
