🖼️ Museen

Museo d'arte orientale Edoardo Chiossone

📍 Genova, Ligurien · 61/100

Edoardo Chiossone, ein in Arenzano geborener und in Florenz ausgebildeter Kupferstecher, kam 1875 nach Japan, um die kaiserliche Wertpapierdruckerei in Tokyo zu leiten, und blieb dreiundzwanzig Jahre, bis 1898. Es waren die Jahre, in denen das Feudalsystem zerfiel und verarmte Adelsfamilien Gegenstände verkauften, die sie jahrhundertelang gehütet hatten; Chiossone, von der politischen und kulturellen Élite des Landes geschätzt, kaufte unablässig und brachte rund 15.000 Stücke zusammen. Er vermachte sie testamentarisch der Stadt Genua, wo sie 1899 in etwa hundert Kisten eintrafen. Zunächst im Palazzo dell'Accademia an der Piazza De Ferrari gezeigt, fanden sie ihren endgültigen Ort in der Villetta Di Negro, in einem von Mario Labò entworfenen und von Giorgio Olcese weitergeführten Bau, der am 7. Mai 1971 eröffnet wurde.

Sehenswertes

Der ständige Rundgang beginnt im großen Saal im Erdgeschoss und führt weiter durch die Galerien 1, 2 und 5. Am stärksten ist die buddhistische Abteilung: kleine Bronzeplastik vom 8. bis zum 18. Jahrhundert, monumentale Skulpturen der Edo-Zeit, lackiertes Holz und eine Ritualausstattung des Shugendō, jener synkretistischen Sekte der Bergasketen, mit Handglocke, Vajra, Rad der Lehre und dem Satz der sechs Schalen. Die Figuren unterscheidet man auf einen Blick: Nyōrai an den Handgesten, Bosatsu am Schmuck und der hohen Frisur, Myō-ō am Flammenschein und den vervielfachten Armen, Shitennō an der Rüstung und dem niedergetretenen Dämon.

Galerie 5 gehört ganz den Rüstungen: zwölf vollständige Garnituren mit Helmen und Kriegsmasken, vom 16. bis zum 19. Jahrhundert. Daneben liegen die Schwerter nach Alter geordnet, vom geraden jōkotō aus den Kofun-Hügelgräbern über das gekrümmte tachi mit Dolch bis zur katana mit dem wakizashi. Das merkwürdigste Stück steht jedoch in Vitrine 2: ein Bronzespiegel des 5. oder 6. Jahrhunderts, der taoistische und buddhistische Zeichen nebeneinanderstellt, 1881 Chiossone von Saisho Atsushi, dem Präfekten von Ōsaka, geschenkt. Das gleiche Exemplar, beim Tempel Kongōrin-ji ausgegraben, liegt im Nationalmuseum Kyōto und zählt zu Japans Wichtigen Kulturgütern.

Der Besuch

Das Museum liegt in der Villetta Di Negro, dem Park oberhalb der Piazza Corvetto: Man steigt über Rampen und Treppen an künstlichen Grotten und kleinen Wasserfällen vorbei, der Eingang liegt ganz oben. Nach der im September 2021 begonnenen Schließung für neue Haustechnik und Barrierefreiheit öffnete das Haus Ende Juni 2023 wieder, samt hergerichteter Panoramaterrasse. Die Galerien 3 und 4 zeigen Wechselausstellungen: Drucke, Malereien und Textilien vertragen keine Dauerpräsentation, sie kommen reihum aus dem Depot, und was zu sehen ist, ändert sich von Saison zu Saison.

Tipp der Redaktion

Wir raten, für die Terrasse am Ende des Rundgangs eine Viertelstunde einzuplanen: Sie blickt über die Dächer der Altstadt und ist der beste Weg, die Rüstungen sacken zu lassen. Und wenn gerade eine Sonderausstellung läuft, gehen wir zuerst in die Galerien 3 und 4: Die Holzschnitte verlassen das Depot selten, und man sollte sie sehen, solange sie draußen sind.

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