🏰 Burgen und Schlösser

Palazzo San Giorgio

📍 Genova, Ligurien · 56/100

1298, nach der Seeschlacht von Curzola, sperrten die Genuesen hier einen venezianischen Kaufmann namens Marco Polo ein. Er blieb fast ein Jahr in Haft und diktierte zum Zeitvertreib seinem Zellengenossen Rustichello da Pisa den Bericht seiner Reisen: Il Milione entstand in den Kerkern dieses Gebäudes. Errichtet worden war der Palast zwischen 1257 und 1260 im Auftrag des Volkshauptmanns Guglielmo Boccanegra, der einen von der Kathedrale getrennten Sitz der weltlichen Macht wollte; entworfen hat ihn Frate Oliverio, ein Zisterziensermönch, der zuvor die Verlängerung der Alten Mole ins Meer geplant hatte. Man nannte ihn den Meerespalast, weil das Wasser an seinen Fundamenten stand.

Sehenswertes

Das Gebäude hat zwei Gesichter, und es lohnt sich, einmal darum herumzugehen. Zur Stadt hin, unter den Lauben von Sottoripa, steht der mittelalterliche Flügel aus Stein und Ziegel; zum Hafen hin die Renaissancefront, 1570 angefügt und dafür gedacht, vom Schiff aus gelesen zu werden. Auf dieser Seite zeigt das Fresko genuesische Honoratioren und in der Mitte den heiligen Georg im Kampf mit dem Drachen: Lazzaro Tavarone malte es zwischen 1606 und 1608, nachdem die Protektoren der Bank die erste Fassung von Andrea Semino abgelehnt hatten.

Vieles von dem, was man heute sieht, ist allerdings eine Deutung des 19. Jahrhunderts. Alfredo d'Andrade, Denkmalpfleger für Ligurien und das Piemont, entfernte die über Jahrhunderte gewachsenen Anbauten und formte den mittelalterlichen Flügel nach dem neugotischen Geschmack seiner Zeit: Die Sala del Capitano del Popolo, der Saal der Protektoren und die Manica Lunga sind hypothetische Rekonstruktionen, keine erhaltenen mittelalterlichen Räume. Seit 1451 gehörte das Haus der Bank von San Giorgio, die 1407 aus dem Zusammenschluss der Compere hervorging und die Staatsschuld der Republik bis 1797 verwaltete.

Der Besuch

Der Palast liegt zwischen Piazza Caricamento und Piazza Cavour, gegenüber dem Porto Antico, wenige Schritte vom Aquarium; die Metrostation heißt San Giorgio. Seit 1903 beherbergt er die Hafenbehörde, heute die Hafensystembehörde des westlichen Ligurischen Meeres: ein Arbeitsgebäude, kein Museum. Die historischen Säle öffnen nur bei Sonderterminen, Ausstellungen und Veranstaltungen wie den Rolli Days. Das Äußere dagegen steht immer bereit: Die 1965 eingeweihte Hochstraße führt unmittelbar davor vorbei und bleibt die deutlichste Wunde im Verhältnis der Stadt zu ihrem Hafen.

Tipp der Redaktion

Wir schauen uns den Palast zweimal an, bei unterschiedlichem Licht. Am frühen Morgen fällt die Sonne flach auf die bemalte Fassade und die Farben treten hervor; bei Sonnenuntergang liegt der mittelalterliche Teil von den Lauben aus im Schatten, und man begreift, wie verschieden die beiden Hälften sind. Und wir suchen unter den Lauben nach den Fragmenten der Ketten von Porto Pisano, Kriegsbeute, die die Genuesen hier aufgehängt haben.

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