Mailand hat eine Kirche, die älter ist als fast alle in Rom, und benutzt sie als Wohnzimmer: Vor den sechzehn korinthischen Säulen von San Lorenzo, beim Bau der Basilika von einem römischen Tempel hierher gebracht, wird abends getrunken, und niemand denkt daran, dass dahinter der erste Zentralbau des christlichen Abendlandes steht. Errichtet wurde er Ende des vierten Jahrhunderts, als Mailand Hauptstadt des Reiches war, neben dem Kaiserpalast, mit den Steinen des 401 abgerissenen Amphitheaters: ein Quadrat mit vier Apsiden, ein Umgang, darüber die Empore und vier Türme an den Ecken, gedeckt von einer Kuppel, die im Westen noch niemand gewagt hatte.
Sehenswertes
Der Grundriss ist der von damals, und das ist das Wunder: Die Brände von 1071 und der Einsturz der Kuppel 1103 machten ihn romanisch, ein weiterer Einsturz 1573 machte ihn manieristisch mit der 1619 vollendeten Kuppel von Martino Bassi, der größten Mailands, doch der Raum innen ist der, den Bramante, Leonardo und Giuliano da Sangallo auf der Suche nach den Regeln der Alten studierten. Auf dem Altar die Madonna del Latte, die ein vom heiligen Karl vorhergesagtes Wunder wirkte und den Wiederaufbau bezahlte.
Der unversehrte Teil ist die Kapelle Sant'Aquilino rechts: ein kaiserliches Mausoleum des vierten Jahrhunderts, vielleicht für die Dynastie des Theodosius, das die Überlieferung Galla Placidia zuschreibt, achteckig, mit den frühchristlichen Mosaiken des Christus unter den Aposteln, jung und bartlos, und einer Hirtenszene, über deren Thema noch gestritten wird; auf der Treppe sieht man die Blöcke des Amphitheaters. Auf der anderen Seite die Kapelle Sant'Ippolito, und draußen der Parco delle Basiliche Richtung Sant'Eustorgio, entstanden auf den Trümmern der Bombardierungen, wo die Vetra bis 1840 der Ort der Hinrichtungen war, jener der Schandsäule Manzonis. Auf dem Platz blickt die Kopie des bronzenen Konstantin auf die Säulen.
Der Besuch
Die Basilika liegt am Corso di Porta Ticinese gegenüber den Säulen, zehn Minuten vom Dom über die Via Torino; der Eintritt ist frei, die Kapelle Sant'Aquilino hat ein kleines Ticket und schließt die römischen Ausgrabungen unter dem Boden ein. Der Komplex ist von hinten schöner, vom Park aus: Von dort sieht man die spätantike Silhouette mit den Türmen und der Kuppel, ohne die Fassade des neunzehnten Jahrhunderts.
Tipp der Redaktion
Gehen Sie in Sant'Aquilino und suchen Sie unter dem Christusmosaik die Buchstaben, die die Namen der Apostel bilden: Es sind die ältesten Mosaiken Mailands, und sie sitzen dort, still, hinter einem Aperitivo. Dann kommen Sie nachts zu den Säulen zurück, wenn der Platz voll ist: Es ist der einzige Ort Italiens, an dem eine römische Säulenreihe noch, im wörtlichsten Sinn, der Ort ist, an dem sich die Stadt trifft.
