Mehr als ein Jahrhundert lang war Mailand die Hauptstadt des Weströmischen Reiches, und fast niemand merkt es. Hier wurde das Edikt von 313 unterzeichnet, mit dem Konstantin den Christen Kultfreiheit gewährte; hier standen Zirkus, Theater, Amphitheater, Thermen und ein Kaiserpalast. Dann baute sich die Stadt weiter über sich selbst, und Mediolanum landete unter Höfen, Parkplätzen und Kellern. Achtzehn Fundorte sind übrig, über das Zentrum verstreut: Man besucht kein Ausgrabungsgelände, man geht auf die Jagd nach Bruchstücken.
Sehenswertes
Die sechzehn Säulen vor San Lorenzo sind das leichteste Stück: Sie stammen aus der Kaiserzeit und wurden dorthin gebracht, um der Basilika als Vorhof zu dienen, als man alte Bauten abtrug, um neue zu errichten. Dann das Archäologische Museum am Corso Magenta, in einem Kloster: Es bewahrt ein Stück der Mauern, den vieleckigen Turm des Zirkus und die Trivulzio-Schale, ein Glasgefäß in einem Netzkorb, das zu den am schwersten erklärbaren Dingen der Antike gehört. Draußen, in der Via Brisa, zwischen zwei Wohnhäusern, stehen die Mauern des Kaiserpalasts.
Das Amphitheater liegt in der Via De Amicis, in einem archäologischen Park mit Antiquarium: Fast der ganze Stein wurde für den Bau von San Lorenzo weggeschafft, doch der elliptische Grundriss ist am Boden noch zu lesen. Unter dem Dom schließlich steigt man zum Baptisterium San Giovanni alle Fonti hinab, dem achteckigen Becken, in dem Ambrosius in der Osternacht 387 Augustinus taufte: eine Treppe neben dem Eingang der Kathedrale, an der die meisten Besucher vorbeigehen, ohne sie zu sehen. Die Stadt war viel früher entstanden, um 590 vor Christus, als keltischer Ort der Insubrer, und wurde 222 vor Christus von den Römern genommen.
Der Besuch
Alle Orte liegen in einer halben Stunde Fußweg, zwischen Dom, Sant'Ambrogio und dem Carrobbio. Das Archäologische Museum und die Domkrypta haben eigene Karten, der Amphitheaterpark kurze Öffnungszeiten, die Säulen von San Lorenzo sieht man immer. Ein halber Tag für die Runde in Ruhe; einige kleinere Reste sind nur auf Anfrage zugänglich.
Tipp der Redaktion
Beginnen Sie mit dem Baptisterium unter dem Dom und steigen Sie früh hinunter, gleich nach der Öffnung. Der Boden ist der originale, das Wasser kam dort herein, wo man die Rinne sieht, und das achtseitige Becken ist dasselbe, das Augustinus später in den Bekenntnissen beschrieb. Wenn man von dort zwischen die Schaufenster auf den Platz hinaustritt, ist der Sprung über sechzehn Jahrhunderte so schroff, dass die Stadt oben einen Augenblick lang die vorläufige scheint.
