Im Gedächtnis bleibt der Fußboden: rot, mit elfenbeinweißen Steinchen, in einem Bau, den die Samniten um das dritte Jahrhundert v. Chr. auf einer Anhöhe errichteten, die heute Colle Rimontato heißt, außerhalb des Ortes San Giovanni in Galdo.
Die Geschichte des Heiligtums verläuft anders, als man erwarten würde. Errichtet, als das innere Molise samnitisches Land war, wurde der Tempel vom Bundesgenossenkrieg des ersten Jahrhunderts v. Chr. nicht ausgelöscht: Erst nach diesem Krieg wurde er zum wichtigsten Bezugspunkt der Siedlung. Bewohnt blieb das Gebiet bis ins dritte Jahrhundert n. Chr., dann wurde es aufgegeben, und der mittelalterliche Ort San Giovanni entstand weiter unten im Tal, wo er noch heute liegt. Der Tempel selbst geriet in Vergessenheit: Erst die Grabungen im letzten Jahrzehnt des zwanzigsten Jahrhunderts holten ihn zurück.
Sehenswertes
Erhalten ist vor allem ein Grundriss, und der ist gut zu lesen. Es handelt sich um einen Prostylos: eine Vorhalle und eine einzige Säulenreihe um die heilige Cella, alles auf einem erhöhten Podium mit zwei Eingängen und einem Zahnschnittgesims. Die Säulen sind rund und kanneliert. Auf das Podium führte wahrscheinlich eine Holztreppe, und genau deshalb fehlt von ihr jede Spur. Der Grundriss ist viereckig, ebenso der heilige Bezirk, der die Anlage umschließt.
Tipp der Redaktion
Aufrechte Säulen gibt es hier nicht: Man schaut nach unten, auf die Lauffläche, auf den Umriss des Podiums und seine beiden Zugänge. Im flachen Licht des frühen Morgens oder des späten Nachmittags treten Zahnschnitt und Steinchen deutlich klarer hervor als mittags. Ein Blick hinunter zum Ort lohnt ebenfalls: Der Umzug der Bewohner von diesem Hügel in die Talsohle ist im Kern die Geschichte des Ortes.
