Unter dem hölzernen Sturz des Portals hängen noch die Rollen: Über sie liefen die Ketten, die die Zugbrücke hoben — zusammen mit dem Turm der einzige Schutz des Haupteingangs. Darüber trägt ein vorspringendes Gesims die eingemeißelte Jahreszahl der Restaurierung von 1521. In Ripalimosani nennen alle das Gebäude Castello, obwohl der Bau die Züge eines Adelspalastes hat, und die Verwechslung trifft es genau: ein befestigter Wohnsitz, der den Beruf gewechselt hat, nicht die Gestalt.
Sehenswertes
Die Anfänge reichen um das Jahr 1000 zurück. Der Wendepunkt kam mit Marino Mastrogiudice, seit 1516 Herr von Ripalimosani, der fünf Jahre später eine umfassende Restaurierung veranlasste und aus der alten Burg einen Palast machte. Von da an gehörte zu jedem Besitzwechsel ein notarielles Inventar, und diese Papiere zeigen ein immer wieder umgebautes Haus, das seine Merkmale dennoch behielt: den langgestreckten Grundriss, den Innenhof, den Hängegarten, den Turm. Man betritt zunächst einen weiten Hof, an dem einst die Werkstätten der Hofhandwerker lagen. Im Piano nobile nach Süden diente ein großer Saal als Theater, die Wände mit Bildnissen der Könige von Neapel geschmückt; daneben liegt eine Kapelle, deren Wandaltar noch an seinem Platz steht.
Der Besuch
Im Gedächtnis bleibt der am wenigsten herrschaftliche Teil. Der Palast besaß ein in den Tuff gegrabenes Gefängnis, im Ort „cafurdio“ genannt: kein Licht, eine eiserne Kette in der Mauer, um die Gefangenen festzuhalten. Heute ist das Obergeschoss ein Festsaal, Hochzeiten kommen aus der ganzen Umgebung hierher — eine Nachfrage beim Personal lohnt sich, bevor man einen Besuch plant. Und es gibt einen weiteren Grund, dieses Haus mit der Mutterkirche zu verbinden: Bis 1807 verwahrte der Palast der Marchesi die Kopie des Grabtuchs von Ripalimosani, eine Nachbildung in Originalgröße, die als Berührungsreliquie gilt, bis der letzte Marchese, Nicola Mormile, sie der Kollegiatkirche des Ortes übergab, wo sie bis heute verehrt wird.
