Das MUSE besucht man verkehrt herum: Man nimmt den Aufzug, fährt ganz nach oben und steigt zu Fuß hinab, Stockwerk um Stockwerk, als käme man von einem Berg herunter. Oben liegt der Gletscher, dann Fels und Gämsen, dann der Wald, dann das Leben der Talsohle, und zuletzt, im Untergeschoss, Dinosaurier und ein tropisches Gewächshaus mit echtem Nebel. Das Wissenschaftsmuseum von Trient wurde am 27. Juli 2013 in einem Bau von Renzo Piano eröffnet, errichtet dort, wo die Michelin-Fabrik stand: Die gebrochenen Dächer zeichnen das Profil der Dolomiten nach, und das Wasser ringsum verdoppelt sie.
Sehenswertes
Das Herz des Hauses ist die große Leere: ein Schlitz, der alle Geschosse durchschneidet und in dem die Tiere der Alpen frei hängen, Adler, Steinbock, Wolf, als sprängen sie von einem Band zum nächsten. Man beugt sich auf jeder Ebene über die Galerien und sieht sie aus wechselnden Winkeln. Es ist die einfachste Idee des Museums und die, an die sich Kinder zehn Jahre später erinnern.
Auf der Gletscheretage geht man über eine weiße, kalte Fläche zwischen den echten Instrumenten der Expeditionen; weiter unten kommen die Vitrinen der alpinen Vielfalt, die offenen Labore, in denen Forscher wirklich hinter dem Glas arbeiten, und der Abschnitt zur Vorgeschichte des Trentino mit den Pfahlbauten und dem Eismann. Ganz unten bildet das drei Stockwerke hohe tropische Gewächshaus den Wald der Udzungwa-Berge in Tansania nach, wo das Museum seit Jahren eine Forschungsstation betreibt: Man tritt in feuchte Luft von fünfundzwanzig Grad, während es draußen schneit.
Der Besuch
Das MUSE liegt im Viertel Le Albere, zehn Minuten zu Fuß vom Bahnhof Trient und eine Viertelstunde vom Zentrum; eine Karte, außerhalb der Saison montags meist geschlossen, im Sommer täglich offen. Zweieinhalb Stunden, drei mit Kindern. Es gibt einen Bereich für die Kleinsten mit Zeitfensterbuchung, und im selben Park besichtigt man den Palazzo delle Albere, die Renaissancevilla der Madruzzo.
Tipp der Redaktion
Fahren Sie gleich nach oben, ohne auf den Zwischengeschossen zu halten, und treten Sie vor dem Beginn auf die Terrasse hinaus: Von dort sieht man den Monte Bondone, das Etschtal und die gebrochenen Dächer des Museums, die sie nachahmen, und begreift, dass der Bau seine eigene Bildunterschrift ist. Dann steigen Sie langsam hinab. Im Winter heben Sie sich das tropische Gewächshaus für den Schluss auf: Der Temperatursprung beim Hinausgehen ist das Vergnügen des Tages.
