Sospirolo

Provinz: Belluno · Region: Venetien · Einwohner: 3.213 · PLZ: 32037

Der Name dieser Gemeinde bezeichnete ursprünglich keinen Ort, sondern Menschen. Sospirolo liegt unter dem Monte Sperone, und in der venetischen Form, Sospiroi, erkennt der Sprachwissenschaftler Giovan Battista Pellegrini die mundartliche Anpassung einer Pluralendung: Sospiroi hieß die Bewohner der Gehöfte unter dem Sperone. Diese Menschen hat die Gemeinde eines Tages gezählt. Am vierzehnten Mai 1970 nahm eine kommunale Erhebung etwa zweitausend Erwachsene im Arbeitsalter in den Blick und ergab diese Zahlen: vierhundertfünfundsechzig waren ausgewandert; hundertsiebzig waren bereits an Silikose gestorben; weitere hundertvierundsechzig lebten an derselben Krankheit invalide, die einen schwer, die anderen weniger; siebzig waren Witwen von Schwerinvaliden der Arbeit. Ein Ort, der den Namen der eigenen Leute trägt, musste sie in Lungen messen.

Das Land, das jene Männer verließen, liegt heute großenteils im Nationalpark der Belluneser Dolomiten. Dort ist das Mis-Tal mit seinem See, dem Wasserfall der Soffia und den Cadini del Brenton, den Strudeltöpfen, die das kreisende Wasser in den Fels gegraben hat. Im Gebiet von San Gottardo, nahe dem Cordevole, steht die Kartause von Vedana, eine Einrichtung von jahrhundertelanger Geschichte, die heute von Kartäuserinnen geführt wird. Über die Fraktionen verstreut liegen mehrere venezianische Villen, in Moldoi, in Gron, in Susin, letztere mit einem bemerkenswerten Park. Und im Wappen, verliehen 1927, sitzt eine Schwalbe auf dem Gipfel eines grünen Berges, der aus einem silbernen Fluss aufsteigt: also ein Vogel, der fortzieht und wiederkommt, im Schild eines Ortes, der ein Viertel seiner Erwachsenen fortziehen sah.

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