⛪ Kirchen und Heiligtümer

basilica di Santa Maria della Salute

📍 Venezia, Venetien · 79/100

Die Pest kam mit einem Gesandten des Herzogs von Mantua nach Venedig, der im Lazzaretto Vecchio unter Quarantäne gestellt wurde: Es genügte, dass er mit einem Tischler in Berührung kam, damit die Ansteckung von Campo San Lio ihren Ausgang nahm. Am 22. Oktober 1630 legte der Patriarch Giovanni Tiepolo ein feierliches Gelübde ab: der Jungfrau eine Kirche zu errichten und zu weihen, «und sie SANTA MARIA DELLA SALUTE zu nennen», und jedes Jahr an dem Tag, an dem die Stadt für frei von der Seuche erklärt würde, sie mit dem Senat zu besuchen, «zum ewigen Gedenken an die öffentliche Dankbarkeit». Als die Seuche endete, zählten die venezianischen Toten 80.000, und unter ihnen waren der Doge und eben jener Patriarch, der das Gelübde abgelegt hatte.

Sehenswertes

Den Wettbewerb gewann Baldassare Longhena, der eine Kirche «in Form einer Krone, der Jungfrau zu weihen» vorgeschlagen hatte. Der Grundriss ist achteckig, und die Acht ist die Zahl des Heils und der Hoffnung, aufgenommen vom achtzackigen Stern des Entwurfs und vom Bild der Stella Maris, des Meeressterns, der im Hymnus Ave maris stella die Seefahrer zum Hafen führt. Die Kuppel ist, von außen gesehen, jene Krone. Geweiht wurde die Kirche vom Patriarchen Alvise Sagredo siebenundfünfzig Jahre nach dem Gelübde: Keiner von denen, die es gesprochen hatten, sah sie vollendet.

Der Besuch

Am 21. November, dem Fest der Darstellung Mariens, halten die Venezianer das Versprechen: Man überquert eine Brücke, die von San Marco zur Basilika führt, jahrhundertelang aus Booten gebaut und heute auf Pfählen schwimmend, und tritt zum Gebet ein. Zusammen mit dem Redentore-Fest ist es der am tiefsten empfundene Festtag der Stadt, und traditionell isst man an jenem Tag Castradina, ein Gericht aus Hammelfleisch. Um Platz für die Kirche zu schaffen, war neben der Punta da Màr, dem Zollpunkt, ein bereits aufgehobener Klosterkomplex niedergelegt worden, und der ganze Boden musste trockengelegt werden.

Tipp der Redaktion

Das Beeindruckendste an dieser Basilika sieht man nicht, denn es liegt darunter. Um eine solche Masse auf der schlammigen Spitze zwischen Canal Grande und Becken zu tragen, rammten die Venezianer einen Wald von Holzpfählen in den Schlick. Wie viele es waren, ist eine kleine Saga: Im siebzehnten Jahrhundert schrieb Giustiniano Martinioni, es seien 1.156.650 gewesen, ohne zu sagen, woher er die Zahl hatte, und diese Angabe wurde jahrhundertelang wiederholt. Die Rechnung geht jedoch nicht auf, denn mit Pfählen jenes Durchmessers lassen sich nicht mehr als sechzehn auf einen Quadratmeter treiben, und eine Studie von 2008 zeigte, wo der Fehler lag. Die vernünftige Schätzung liegt bei etwa 100.000, was noch immer ein umgekehrter Wald unter dem Fußboden ist.

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