Geht man von der Piazza San Marco zu den Einkaufsstraßen, kommt man an einer Fassade vorbei, die aussieht, als wäre sie geplatzt: Säulen, Obelisken, Kamele, Trophäen, Köpfe und Draperien, über drei Geschosse gestapelt, ohne einen freien Zentimeter. Sie wurde 1668 mit dem Geld der Familie Fini gebaut, die eben ihren Adelstitel gekauft hatte und es wissen lassen wollte: Statt Heiliger trägt die Front die Büsten der Fini. Kritiker des neunzehnten Jahrhunderts waren entsetzt, und bis heute ist San Moisè die Kirche, über die die Venezianer am meisten spotten.
Sehenswertes
Aus der Nähe ist die Fassade ein Katalog von allem, was sich im siebzehnten Jahrhundert meißeln ließ: Der Schmuck stammt vom flämischen Bildhauer Heinrich Meyring, und eher als eine Kirchenfront ist es ein privates Denkmal, mit privatem Geld bezahlt. Innen dagegen ist die Kirche überraschend nüchtern, mit einem Hochaltar, der Moses auf dem Berg Sinai in einem Haufen gemeißelter Felsen zeigt, und dem Leib eines Märtyrers aus den römischen Katakomben.
Im Boden liegt eine Platte mit einem Namen, den Wirtschaftshistoriker gut kennen: John Law, der Schotte, der in Frankreich die Staatsbank und das Papiergeld erfand, die erste große Spekulationsblase der Geschichte aufblies und, als sie platzte, floh. Er starb 1729 arm in Venedig und wurde hier bestattet. Nicht weit stand das Teatro San Moisè, wo der junge Rossini seine ersten Farcen aufführen ließ.
Der Besuch
Die Kirche liegt am Campo San Moisè, zwei Minuten von der Piazza San Marco an der Straße Richtung Santa Maria del Giglio; Eintritt frei, mit begrenzten Zeiten und Mittagsschließung. Eine Viertelstunde. Auf dem Weg zu den Einkaufsgassen kommt man zwangsläufig vorbei.
Tipp der Redaktion
Suchen Sie die Platte John Laws: Sie liegt im Schiff, im Boden, und Dutzende gehen täglich darüber, ohne zu wissen, dass sie auf einem der Männer stehen, die die moderne Finanzwelt erfunden haben. Treten Sie dann hinaus, stellen Sie sich auf die Brücke davor und betrachten Sie die Fassade von dort: Sie ist hässlich, sie ist übertrieben, und sie ist das ehrlichste Denkmal, das sich eine neureiche Familie je gebaut hat.
