Der Name kommt höchstwahrscheinlich von den canistri, also von den canestri: den Weidenkörben, die hier geflochten wurden und von hier fortgingen. Es gibt allerdings auch eine Legende, die ihn mit einem Hundezwinger verbindet, der auf dem Hügel gestanden haben soll, wo der Ort entstand, und das Wappen hat genau diese ernst genommen: in rotem Feld ein schwarzer Hund, aufgerichtet, mit Halsband, an eine silberne Säule gekettet, die eine antike Krone trägt — die Säule sind die Colonna, die 1497 kamen, als Canistro zum Herzogtum Tagliacozzo kam. Das alte Dorf, Canistro Superiore, liegt hoch über dem Roveto-Tal und hieß im Mittelalter Castro Canistri; es erscheint zum ersten Mal im Catalogus baronum, dem Lehensverzeichnis, das die Normannen anlegen ließen. Von Civitella Roveto, zu dem es gehörte, trennte sich Canistro durch ein Dekret vom 8. Oktober 1851.
Dann kamen zwei Katastrophen, und keine der beiden geschah zufällig. Am 6. Dezember 1907 flog in Monongah in West Virginia das Bergwerk in die Luft, im schwersten Grubenunglück der Geschichte der Vereinigten Staaten: unter den Toten waren Arbeiter, die von hier aufgebrochen waren, und Ende 2007, zum hundertsten Jahrestag, hat ihnen der Ort ein Denkmal gesetzt. Acht Jahre nach dem Bergwerk kam das Erdbeben der Marsica: im Jahr 1915 zählte Canistro achtzig Opfer, und vierundsechzig von ihnen starben in der Pfarrkirche. Der Ort wurde weiter unten wieder aufgebaut, in den Casali di Santa Croce an der Staatsstraße, und dorthin ging auch das Rathaus — nicht ohne Widerstand derer, die die Höhe nicht verlassen wollten. Heute stehen in Canistro Superiore, neben den Brunnen und den Waschtrögen, die Statuen für die Marsenbärin Amarena und ihre Jungen.