Der Ort liegt in einer Enge, und vielleicht hat er von dort seinen Namen: Eine der Vermutungen ist das lateinische capistrum, das Halfter, wegen der Lage am Eingang des Valle Roveto. Die beiden anderen sind capisterium, die Wanne zum Reinigen des Getreides, und jene, die sich die Gemeinde ins Wappen gesetzt hat, Caput Castrorum, «Haupt der Lager». Wie auch immer: Die Enge hat den Ort gemacht. Im zwölften Jahrhundert war Capistrello Sitz des Einnehmers der Passmaut, denn hier führte die einzige Straße durch, die im Mittelalter die Marsica mit Neapel verband, über Sora und Cassino.
Hier liegt auch der Ausgang des Emissars des Claudius, des Stollens, der zwischen 41 und 52 gegraben wurde, um das Wasser des Fuciner Sees in den Liri zu leiten und das Becken trockenzulegen: elf Jahre Arbeit und etwa fünfundzwanzigtausend Sklaven, für eines der größten Werke der Wasserbaukunst überhaupt. Nach dem Untergang des Reiches hielt es allerdings niemand mehr instand: Der Kanal verstopfte, wohl auch durch das Erdbeben von 508, und der See stieg wieder auf sein altes Niveau. Um das größte römische Wasserbauwerk zunichtezumachen, brauchte es keinen Krieg: Es genügte, nicht mehr danach zu sehen.