Der Glockenturm von San Lorenzo endet auf halber Höhe: Was neben der Kirche steht, ist nur der Sockel jenes Turms, den die Familie des Niccolò Acciaiuoli im 14. Jahrhundert wieder aufbauen ließ und der später einstürzte und nie wieder aufgerichtet wurde. Der Rest ist das Gebäude, das die Einwohner von Melfi als das älteste noch stehende der Stadt bezeichnen: Örtliche Quellen datieren es auf 1120, als es zur Abtei Sant'Ippolito von Monticchio Laghi gehörte, andere setzen es noch früher an, ins 11. Jahrhundert und zu den Byzantinern, die Melfi 1018 befestigt hatten.
Sehenswertes
Der Grundriss ist achteckig: Vor der Kirche stand hier ein Baptisterium, und die achtseitige Form bleibt unter allem Späteren erkennbar. Die Kanoniker der Abtei von Monticchio ließen sich früh hier nieder und blieben lange; 1500 wurde das Gebäude Pfarrkirche. Die Erdbeben, die das Gesicht von Melfi mehrfach verändert haben, verschonten es nicht, und das barocke Gewand von heute ist das Ergebnis dieser Wiederaufbauten.
Das Portal und die lange Treppe davor werden dem 17. Jahrhundert zugeschrieben. Links vom Portal lehnte bis vor wenigen Jahren ein Pfarrhaus an der Mauer: Die Arbeiten von 2015 haben es abgerissen, seither ist die Flanke der Kirche wieder ganz zu sehen.
Der Besuch
San Lorenzo ist einer der vier Eckpunkte des mittelalterlichen Borgo, jenes Trapezes zwischen Kirche, Burg, Kathedrale und Porta Venosina; wer sich diese Punkte merkt, kommt in der Altstadt ohne Karte aus, die sich strahlenförmig um die heutige Piazza Umberto I entwickelt hat. Der Eingang liegt oben an der Treppe, die Fassade sieht man also zwangsläufig von unten; zuerst suchen sollte man aber den Stumpf des Glockenturms an der Seite, der zeigt, wie viel dem Bau abhandengekommen ist.
Tipp der Redaktion
Gehen Sie außen herum, bevor Sie eintreten: Das Achteck liest sich von draußen viel besser, wo sich die Seiten einzeln abzählen lassen, als im umgebauten Inneren. Stellen Sie sich dann auf die 2015 freigelegte Seite und schauen Sie auf die Stelle, an der das alte Mauerwerk auf den glatten Abbruch des Turms trifft.
