In jeden Block der äußeren Mauerschale von Serra di Vaglio ist ein griechischer Buchstabe eingeritzt: Sie organisierten die Baustelle und gaben an, welche Mannschaft welchen Stein zu setzen hatte. Der 2,5 km lange Mauerring entstand im 4. Jahrhundert v. Chr. in griechischer Zweischalentechnik — außen unregelmäßig zugerichteter Sandstein, innen Steine mit unbearbeiteter Sichtfläche — und über den von Türmen flankierten Toren nennt eine Inschrift den Beamten, der die Arbeiten leitete: Nummelos.
Sehenswertes
Die Siedlung ist weit älter als ihre Mauern. Die ersten Hütten, in Gruppen verstreut und von Bestattungsflächen durchsetzt, gehen auf das 8. Jahrhundert v. Chr. zurück und werden den Peuketiantes zugeschrieben, jenem von Hekataios von Milet erwähnten Volk, das seine Toten in Hockerstellung beisetzte. Am Ende des 7. Jahrhunderts v. Chr. entstand am Osthang ein Fürstenhaus mit bemalten Bauterrakotten griechischer Art, die wohl aus den Werkstätten von Metapont stammen. Die Gräber der nahen Nekropole von Braida di Vaglio, 1994 und 1995 ausgegraben, enthielten Bankettgeschirr aus Bronze, etruskische und griechische Keramik, Waffen und Schmuck; die reichste Ausstattung gehörte einem Mädchen, das als Kind starb und höchstwahrscheinlich mit dem Schmuck für seine künftige Hochzeit bestattet wurde, Bernstein eingeschlossen.
Im Park wurde mit den Bautechniken der Zeit ein Gebäude des 4. Jahrhunderts v. Chr. vollständig rekonstruiert: das Haus der Pithoi, in drei Räume geteilt. Der Name stammt von vier großen Vorratsgefäßen, die man in einem eindeutigen Lagerraum aufgereiht und mit Steinen verkeilt fand.
Der Besuch
Das Gelände liegt auf 1100 Metern Höhe, auf einer Anhöhe über dem Basento-Tal, also über der Verbindung zwischen der griechischen Kolonie Metapont, dem Hinterland und den tyrrhenischen Städten Kampaniens. Seit Dezember 2014 liegt die Verwaltung beim Staat, heute bei der Direzione regionale Musei. Schauen Sie zuerst auf Mauerring und Tore: Sie sind am besten lesbar, und sie standen noch, als zu Beginn des 3. Jahrhunderts v. Chr. ein Brand die Geschichte der Stadt beendete.
Tipp der Redaktion
Planen Sie einen Abstecher nach Potenza ein: Die Beigaben der Fürstengräber von Braida — neun Bestattungen unter einem Steinhügel — liegen nicht hier, sondern im Museo archeologico nazionale della Basilicata. Ohne diesen Bernstein, dieses Gold und diese Bronzen bleibt die Hochfläche nur eine schöne Mauerlinie.
