⛪ Kirchen und Heiligtümer

convento dei Cappuccini

📍 Tolve, Basilikata · 42/100

1585 ließ der Provinzial Crisostamo da Rivello in Tolve das Kapuzinerkloster Sant'Antonio di Padova errichten, außerhalb der Mauern wie die übrigen Kirchen extra muros des Ortes. Dann wuchs die Siedlung und schluckte es: Heute steht das Kloster mitten im Ortskern, während die anderen geistlichen Gründungen von Tolve verstreut in den Fluren liegen. Als Kloster hörte es 1865 auf zu bestehen und überlebte damit die Aufhebungsgesetze von 1809, die es hätten schließen sollen, um mehr als fünfzig Jahre.

Sehenswertes

Der Bau hatte zwei Geschosse, das Erdgeschoss eingerechnet. Unten lagen Gästetrakt, Küche, Refektorium, Keller und Vorratsraum; oben neunzehn kleine Zellen, eine je Mönch. Die Kirche, klein und schmucklos, war der Madonna dell'Olivo geweiht, jenem Bild, das auch das Klostersiegel trug: ein Olivenstumpf, darauf eine Jungfrau mit gebräuntem Gesicht und einem Kind auf dem Arm. Es stand in einer Nische des linken Seitenschiffs. Neben dem Kloster lag ein großer Gemüsegarten, den die Laienbrüder bestellten.

Zwischen 1650 und 1671 folgten einander Obere und Guardiane aus Tolve, unter ihnen Pater Ludovico und Pater Antonio, und unter ihrer Leitung erreichte das Haus seine Blütezeit. Es waren Jahre, in denen das Lehen ständig den Besitzer wechselte und die Mönche als Lehrer für Bildung und Handwerk auftraten. Mit dem anderen Kloster des Ortes, dem franziskanischen der Santissima Annunziata, war das Verhältnis gespannt: Man stritt um den Vortritt bei den Prozessionen und um Interessen, doch der eigentliche Bruch war grundsätzlicher Art. Die Kapuziner hielten sich an Armut und Demut; die Franziskaner-Konventualen hantierten mit Geld und Grundbesitz, ihr Haus war faktisch ein Wirtschaftsbetrieb.

Der Besuch

Vom Ortszentrum aus erreichen Sie das Kloster zu Fuß, und damit ist es das bequemste unter den geistlichen Gebäuden von Tolve: Die anderen liegen draußen in den Fluren, manche als Ruine. Die Maße sind die einer armen Gründung, der Besuch fällt entsprechend kurz aus. Sehen Sie sich zuerst das linke Seitenschiff an, wo die Nische der Madonna dell'Olivo stand, und lesen Sie dann, wie die Räume auf die zwei Geschosse verteilt waren. Nach den Öffnungszeiten fragen Sie am besten im Ort.

Tipp der Redaktion

Nehmen Sie beide Klöster hintereinander, dieses und die Santissima Annunziata, und halten Sie sie gegeneinander: hier 200 Hektar Land, 1300 Schafe und 75 Rinder, dort neunzehn Zellen und ein Gemüsegarten. Der Gegensatz, von dem die Chroniken berichten und über den die Mönche stritten, wird so begreiflicher als in jedem Text.

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