Erto und Casso sind zwei benachbarte Dörfer, die einander jahrhundertelang nicht mochten. Erto ist das ältere, und dort spricht man eine Übergangsmundart zwischen Ladinisch und Westfriaulisch; Casso entstand, so will es die Überlieferung, als Holzfäller und Köhler aus dem Bellunesischen sich in Erto niederlassen wollten und die Ertaner sie misstrauisch zwangen, am Rand des Gebiets zu bleiben. Sie blickten in verschiedene Täler und unterstanden verschiedenen Bischöfen: 1703 wurden sie auch verwaltungsmäßig getrennt.
Zwischen den fünfziger und sechziger Jahren wurde in der Schlucht unterhalb der beiden Dörfer eine über zweihundertsechzig Meter hohe Talsperre gebaut, die höchste Italiens. Bei der ersten Probefüllung 1960 gingen zwei Rutschungen nieder, und ein ganzer instabiler Hang wurde überwacht; der Stausee wurde noch zweimal gefüllt, ohne dass angemessene Maßnahmen zum Schutz der Ortschaften getroffen wurden. In der Nacht des 9. Oktober 1963 stürzte der Monte Toc in den See: In Erto und Casso starben 347 Menschen, insgesamt etwa zweitausend. Die beiden Dörfer wurden geräumt, und das Tal blieb drei Jahre leer; dann kehrte ein Teil der Bewohner trotz des Verbots zurück und baute sie wieder auf.
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