⛪ Kirchen und Heiligtümer

Chiesa di San Michele Arcangelo

📍 Camogli, Ligurien · 41/100

Im Februar 1800 besetzten französische Soldaten unter General André Masséna die Kirche San Michele Arcangelo und steckten sie in Brand; in den Jahren danach diente der Rest des Gebäudes als Heuschober und Stall. Dabei gehörte sie zu den ältesten Kirchen der Gegend: Einige Quellen setzen ihre Gründung ins 5. Jahrhundert, und die erste gesicherte Erwähnung ist ein Testament vom 3. April 1192, das ihr fünf Soldi vermacht. Eine Urkunde von Papst Gregor IX. vom 13. Mai 1239 belegt, dass sie ein eigenes Kanonikerkapitel besaß.

Sehenswertes

Die Kirche war nicht immer so, wie man sie heute sieht: Sie hatte ein einziges Schiff, die Apsis kam im 13. Jahrhundert dazu, das zweite Schiff im 15. Der Glockenturm stammt aus dem 14. Jahrhundert, doch der Spitzhelm darüber wurde 1950 neu aufgemauert, zusammen mit den Reparaturen, die die Schäden des Zweiten Weltkriegs nötig machten. Wer das Mauerwerk von außen betrachtet, liest die Bauphasen noch an den Fugen und an den Wechseln im Stein ab.

Ihr heutiges Gesicht verdankt sie einer Baustelle des frühen 20. Jahrhunderts. Das Gebäude war fast eine Ruine, als der Erzpriester Francesco Gazzolo die Instandsetzung den Architekten Marco Aurelio Crotta und Alfredo d'Andrade übertrug; 1906 waren die Arbeiten abgeschlossen. Ebenso bewegt ist die Verwaltungsgeschichte: Ab 1414 war die Gemeinde mit der Kirche San Lorenzo della Costa verbunden, ab 1434 der Pieve Santa Maria di Camogli angegliedert, mit einer einzigen eigenständigen Phase zwischen 1468 und 1471, und erst am 19. Dezember 1578 erhielten beide Gemeinden getrennte Pfarrrechte.

Der Besuch

San Michele steht in Ruta, dem hoch gelegenen Ortsteil von Camogli, in der Via Romana di Bana, auf dem Pass, den die Straße auf dem Weg hinunter ins Tigullio überquert; man kommt mit dem Auto über die Steigung herauf, die im unteren Ort beginnt. Es ist eine lebende Pfarrkirche im Vikariat Recco-Uscio-Camogli des Erzbistums Genua und hat daher keine Museumszeiten: Innen ist sie in der Regel rund um die Gottesdienste offen, morgens und am späten Nachmittag. Außerhalb dieser Zeiten sollte man damit rechnen, sie nur von außen zu sehen.

Tipp der Redaktion

Wir stellen uns unter den Glockenturm und schauen nach oben: Der Spitzhelm von 1950 unterscheidet sich mit bloßem Auge vom Schaft des 14. Jahrhunderts, in Farbe und Steinschnitt, und schneller versteht man nicht, wie viele Jahrhunderte an Flickwerk diese Kirche trägt. Außerdem raten wir, in Ruta zu halten, bevor man nach Camogli hinunterfährt, und nicht danach: Von unten ist der Anstieg eine ganz andere Sache, und der Verkehr an Sommerwochenenden kostet unnötig Zeit.

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