Die Baustelle lag seit Jahren still, als Ernest Renan am 24. Juni 1863 sein Buch „Das Leben Jesu“ veröffentlichte, das die unbefleckte Empfängnis Marias bestritt. Genua antwortete mit einer öffentlichen Sammlung, um den Bau an der Via Assarotti als Akt der Wiedergutmachung zu vollenden; Papst Pius IX. selbst gab viertausend Goldlire. Es war die erste Kirche, die nach der Verkündung des Dogmas am 8. Dezember 1854 der Unbefleckten Empfängnis geweiht wurde. Begonnen hatte man 1856 auf einem Grundstück, das der Bauunternehmer Pietro Gambaro der Spekulation im neuen Viertel Castelletto entzogen hatte, das nach dem Erweiterungsplan von Carlo Barabino entstand.
Sehenswertes
Die Fassade ist der aufwendigste Teil des Baus: eingelegter Marmor, Skulpturen und Mosaiken in jener Neorenaissance, die die Basilika zu einem der wichtigsten Beispiele dieser Art in Genua macht. Der erste Entwurf stammt von Domenico Cervetto; nach seinem Tod übernahm Maurizio Dufour die Bauleitung und führte die Kirche zur Einweihung am 27. April 1873 — noch ohne Glockenturm, der jedoch bis zum Jahresende fertig wurde. Für die Kuppel brauchte es fast neun weitere Jahre: obenauf steht die vergoldete Bronzestatue der Unbefleckten, gegossen von Giuseppe Pelleas nach einem Modell des Bildhauers Giovanni Scanzi.
Im Inneren ist der Grundriss ein griechisches Kreuz mit drei weiten Schiffen und acht Kapellen. Suchen Sie das hölzerne Kruzifix des 17. Jahrhunderts von Giambattista Gaggini, die Fresken von Nicolò Barabino mit der Rosenkranzmadonna zwischen den Heiligen Dominikus und Katharina, die fünfzehn Bildfenster, das Chorgestühl und die Beichtstühle des 20. Jahrhunderts mit Kuppeln und Einlagen aus Metall und Elfenbein. Das ungewöhnlichste Stück aber ist die Orgel: zwischen 1885 und 1890 von William George Trice gebaut, einem gebürtigen Waliser und Wahlgenuesen, nach dem Klangkonzept von Pier Costantino Remondini — die erste italienische Orgel mit elektrischer Traktur. Die Firma Balbiani erweiterte sie 1928 um ein viertes Manual; der Spieltisch in der Apsis hat heute 65 Register.
Der Besuch
Von der Piazza Corvetto führt die Via Assarotti in gut zehn Minuten stetig bergauf, und Busse nach Castelletto halten in der Nähe. Die Basilika ist eine aktive Pfarrkirche, die Öffnungszeiten richten sich nach den Gottesdiensten: Kommen Sie kurz vor oder gleich nach der Messe, nicht mittendrin. Die Luftangriffe vom November 1942 und vom August 1943 richteten schwere Schäden an, die später ausgebessert wurden; wer das weiß, liest die Oberflächen anders und versteht die Materialwechsel.
Tipp der Redaktion
Bleiben Sie vor dem Eintreten kurz auf dem Gehsteig stehen und schauen Sie sich um: Auf derselben Straßenseite steht die Synagoge, genau gegenüber die Waldenserkirche. Drei Konfessionen auf hundert Metern — ein Detail, das über das bürgerliche Genua des 19. Jahrhunderts mehr sagt als viele Seiten Text. Und wenn Sie an einem Konzertnachmittag hier sind, bleiben Sie sitzen: Die Orgel von Trice ist der beste Grund, so weit hinaufzusteigen.
