Der Innenhof zeigt Stucktelamonen im Wechsel mit weiblichen Masken: eine Formensprache, die es im Genua der Jahrhundertmitte noch nirgends gab, außer im gleichzeitigen Palazzo Grimaldi in San Francesco di Castelletto. Bauherr war zwischen 1541 und 1543 Admiral Antonio Doria, Markgraf von Santo Stefano d'Aveto und Verwandter des Andrea Doria; das Haus stand frei im Grünen bei der Porta dell'Acquasola. Doria arbeitete als Stratege für die spanische Krone und schrieb eine Abhandlung über den Seekrieg; der Entwurf steht Bernardino Cantone nahe, womöglich in Zusammenarbeit mit Giovan Battista Castello.
Sehenswertes
Die Fassade trägt noch die Fresken von Lazzaro und Pantaleo Calvi, bei einer Restaurierung 2001 wieder herausgearbeitet, und das Marmorportal mit Doppelsäulen und Kriegerfiguren im Attikageschoss, das Taddeo Carlone am Ende des 16. Jahrhunderts hinzufügte. Im Inneren zeigt die Eingangshalle die Taten des Antonio Doria, Marcantonio Calvi zugeschrieben und nach dem Entfernen der Übermalungen von Filippo Alessio und Michele Canzio aus dem 19. Jahrhundert wieder lesbar. Der quadratische Hof mit zwei Loggiengeschossen ist das Herzstück des Hauses.
In der oberen Loggia malten Aurelio und Felice Calvi Stadtansichten, überwiegend abgezeichnet aus dem Civitates orbis terrarum, dem 1576 in Köln gedruckten Atlas: eine Wahl, die viel über die Interessen des Auftraggebers verrät. In den Sälen geht es von Apollo, der die Griechen vor Troja beschießt, bis zu Herkules im Kampf mit den Amazonen; ausgeführt hat sie die Werkstatt des Giovanni Cambiaso, und hier tritt sein Sohn Luca, vielleicht siebzehnjährig, zum ersten Mal mit einer anspruchsvollen Arbeit hervor. Rubens stach den Palast 1624 in seine Sammlung der Paläste von Genua; diese Tafeln sind der einzige Beleg für den ursprünglichen Zustand.
Der Besuch
Der Palast steht am Largo Eros Lanfranco 1, zwei Minuten von der Piazza Corvetto, und beherbergt die Präfektur und die Metropolitanstadt Genua: Die Repräsentationsräume kann man besichtigen, doch die Zeiten richten sich nach dem Dienstbetrieb, man erkundigt sich also besser vorher. Die besten Gelegenheiten sind die Rolli Days, wenn die Paläste der alten Listen gemeinsam öffnen. Das Haus gehört zu den 42 Gebäuden, die 2006 als Genua: Le Strade Nuove und das System der Palazzi dei Rolli in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen wurden.
Tipp der Redaktion
Bevor wir hineingehen, schauen wir auf die rechte Ecke des Gebäudes zur Via Roma hin: Sie ist glatt abgeschnitten. 1877 nahm der Durchbruch der Straße die von Andrea Ansaldo ausgemalte Galerie mit, dazu den Garten und ein Stück Fassade, und senkte das Straßenniveau weiter ab. Wer das weiß, sieht Hof und Loggien mit anderen Augen: Sie sind der Rest einer Stadtvilla, die einmal frei im Grünen stand.
