🏰 Burgen und Schlösser

mura di Genova

📍 Genova, Ligurien · 57/100

Genua besitzt mehr Stadtmauern als jede andere italienische Stadt, und das merkt man: Die Linie der Bastionen zieht sich über den Kamm der Hügel, oberhalb der Wohnviertel, und wer von Norden mit dem Zug ankommt, sieht sie vor dem Meer. Sieben Mauerringe folgten aufeinander. Der erste belegte ist karolingisch, zwischen 848 und 889 um rund zwanzig Hektar herum errichtet, mit vier Toren und vier Türmen. Der letzte, Mura Nuove genannt, misst 19.560 Meter und umschließt 903 Hektar: fast das Fünffache der 197 Hektar der ummauerten Stadt des 16. Jahrhunderts.

Sehenswertes

Vom mittelalterlichen Ring stehen die bekanntesten Stücke. Die Porta Soprana mit ihren zwei halbrunden Türmen gehörte zur Mauer, die 1155 beschlossen wurde, um den bis dahin außen liegenden Borgo einzuschließen: Die Arbeiten zogen sich bis 1163 hin, als das Verhältnis zu Friedrich Barbarossa kippte und, so hält es der Chronist Caffaro fest, die gesamte Bevölkerung die Baustelle in 53 Tagen beendete. Aus demselben Ring blieb die Porta dei Vacca erhalten, von der Porta Aurea dagegen nichts: im 18. Jahrhundert bereits verstümmelt, wurde sie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts abgerissen. Auch die Porta Soprana war unter den angebauten Häusern verschwunden und wurde erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts freigelegt.

Die Mura Nuove haben einen anderen Maßstab. Die Regierung der Republik gab sie 1626 in Auftrag, nachdem ein französisch-piemontesisches Heer am 10. Mai 1625 den Pass von Pertuso hatte erzwingen wollen. Zwischen 1629 und 1633 hoben achthundert Erdarbeiter, Maurer und Steinmetzen, nach anderen Quellen dreitausend, in achtundzwanzig Trupps Kurtinen und Bastionen auf den Kämmen über den Tälern von Polcevera und Bisagno aus, nach einem Entwurf der Mathematiker Vincenzo Maculano und Giovanni Battista Baliani, eines Freundes von Galilei. Von oben gesehen bildet der Ring ein Dreieck mit den Ecken am Monte Peralto, an der Lanterna und an der Mündung des Bisagno; entlang der Strecke liegen die Forts Sperone, Begato, Castellaccio und Diamante.

Der Besuch

Das ist kein einzelnes Denkmal, sondern eine kilometerlange Route; man sucht sich am besten ein Stück aus. Von der Bergstation der Standseilbahn Zecca-Righi führen die Wege hinauf zum Fort Sperone auf dem Monte Peralto, wo die beiden Arme der Mauer zusammentreffen; von dort geht es weiter zum Castellaccio oder, mit mehr Ausdauer, zum Diamante. In der Altstadt genügt Gehen: Porta Soprana und Porta dei Vacca, die Porta Siberia von Galeazzo Alessi am Molo Vecchio und die Abschnitte hinter der Via del Colle und im Passo delle Murette, wo sich seit dem 14. Jahrhundert einfache Wohnhäuser direkt an die Mauer lehnen. Die Öffnungszeiten der Forts schwanken stark, manche öffnen nur mit den Vereinen, die sie betreuen.

Tipp der Redaktion

Wer einen halben Tag hat, steigt besser zu den Mura Nuove hinauf, statt in der Altstadt zu bleiben: Erst von oben ergibt die Geometrie des Dreiecks Sinn und damit auch der Grund, warum die Republik so viel Geld ausgab. Nehmen Sie Wasser mit, auf dem Kamm gibt es weder Schatten noch Brunnen. Und schauen Sie hinunter nach Brignole: Dort fehlen die Mauern, im 19. Jahrhundert für den Bahnhof und die neuen Viertel abgerissen, und die Lücke erzählt vom modernen Genua so viel wie die stehen gebliebenen Steine.

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