Fast ein Jahrhundert lang war das Kirchenschiff von San Filippo Neri kein Gotteshaus, sondern ein Konzertsaal: Ab 1834 nutzte das Konservatorium von Genua das Gebäude, machte die Nebenräume zu Unterrichtssälen und gab alles erst nach einem Dekret des Heiligen Stuhls im Jahr 1928 dem Gottesdienst zurück. Die Anlage an der Via Lomellini, am östlichen Rand des Viertels Prè, ist weit älter: 1674 rissen die Oratorianer den Palast der Lomellini ab, in dem Caterina Fieschi gewohnt hatte, und begannen mit dem Bau des bedeutendsten spätbarocken Werks in Genua. Die Kirche war 1712 fertig, die Fassade erst 1738.
Sehenswertes
Die konkave Fassade aus grobem Putz trägt die Statue der Unbefleckten mit Engeln von Pasquale Bocciardo und über dem Portal ein Medaillon des heiligen Philipp Neri von Carlo Cacciatore; die Front des Klosters daneben zeigt Pilaster, Giebel und Dutzende achtzackige Sterne, das Zeichen der Oratorianer. Im Inneren gibt es ein einziges Schiff unter hohem Tonnengewölbe, vier Seitenkapellen und einen Boden aus farbigen Marmorintarsien, verlegt 1737.
Die gemalten Scheinarchitekturen stammen von Antonio Maria Haffner, einem Mitbruder der Kongregation; das Gewölbe mit der Glorie des heiligen Philipp Neri und die acht Temperabilder unter dem Gesims von 1714 malte Marcantonio Franceschini — darunter Philipp, der während der Messe schwebt, und Philipp, der aus der Feldflasche des heiligen Felix von Cantalice trinkt. Im Presbyterium ist der von Engeln emporgetragene Heilige ein Werk von Domenico Guidi, der Sockel mit den Engeln stammt vom Franzosen Honoré Pelle. In der zweiten Kapelle links hängt das Hauptwerk von Domenico Piola: Christus mit dem Kreuz erscheint der heiligen Caterina Fieschi Adorno; die hölzerne Pietà schuf Anton Maria Maragliano. Auf der Empore über dem Eingang steht die Serassi-Orgel von 1816, 1995 restauriert und mit originaler mechanischer Traktur.
Der Besuch
Die Via Lomellini liegt zwei Minuten vom Bahnhof Principe und vom Palazzo Reale entfernt; die Kreuzung mit der Via Bensa ist der einfachste Anhaltspunkt. Der Komplex gehört heute teils der Stadt Genua, teils der Kongregation, deshalb haben Kirche und Oratorium nicht immer dieselben Zeiten: Die Kirche öffnet zu den Gottesdiensten, das Oratorium vor allem zu Konzerten. Prüfen Sie den Kalender, bevor Sie durch Prè hinaufgehen.
Tipp der Redaktion
Halten Sie auf das Oratorium nebenan zu, 1749 nach einem Entwurf erbaut, der Giovanni Battista Montaldo zugeschrieben wird: elliptischer Grundriss, unverändertes Rokoko und eine Statue der Unbefleckten von Pierre Puget. Die Akustik ist so gut, dass hier seit dem 18. Jahrhundert Konzerte stattfinden — Boccherini und Paganini haben gespielt — und die Reihe ist nie abgerissen. Wenn Sie einen Kammermusikabend erwischen, sehen Sie den Raum richtig: mit Licht und vollen Bänken.
