1824 kaufte das Haus Savoyen den Palast in der Via Balbi und ließ die besten Bilder der Sammlung Durazzo nach Turin bringen: Tintorettos Dreifaltigkeit, van Dycks Heilige Familie und Veroneses Gastmahl im Hause des Simon, das man trotz lautstarker Proteste der Genueser durch eine Kopie ersetzte. Der Saal trägt bis heute den Namen des Malers, und die Kopie hängt noch immer dort. Die Anekdote erklärt das Gebäude besser als jeder Grundriss: ein Haus, das dreimal den Besitzer wechselte, von den Balbi zu den Durazzo und weiter an die Könige von Sardinien, und jeder hat seine Spuren hinterlassen. Seit 2006 gehört es zu den 42 Palazzi dei Rolli auf der Welterbeliste der UNESCO.
Sehenswertes
Der Kern entstand zwischen 1643 und 1650 für Stefano Balbi nach Plänen von Pier Francesco Cantone, Michele Moncino und Giovanni Angelo Falcone: Die Front zur Via Balbi maß damals dreißig Meter, heute sind es fast hundert. Die Pest von 1657 tötete die Bauherren und legte die Arbeiten still. 1677 verkauften die Balbi an die Durazzo, die ein Nachbargebäude einbezogen und 1705 Carlo Fontana holten, der Portal, Atrium und Treppenhäuser erneuerte und den Hof sowie den Hängegarten über dem alten Hafen hinzufügte.
Der berühmteste Raum ist die Spiegelgalerie, von Domenico Parodi für Gerolamo II. Durazzo ausgestattet. Vier Statuen aus weißem Marmor zeigen Verwandlungen aus Ovid — Adonis, Klytia, Venus, Hyakinthos —, am Ende deutet Francesco Maria Schiaffino Berninis Raub der Proserpina im Sinne des Rokoko neu. Im Gewölbe die Toilette der Venus, in ovalen Medaillons vier Kaiser, die ihre Laster zugrunde richteten: Sardanapal, Dareios, Ptolemaios und Romulus Augustulus, in der Mitte das Wappen der Durazzo. In den übrigen Sälen hängen der Ruhm der Balbi von Valerio Castello, der Frühling, der den Winter vertreibt, von Colonna und Mitelli, Jupiter schickt die Gerechtigkeit auf die Erde von Carlone sowie über zweihundert Gemälde, darunter Strozzi, Grechetto, van Dyck und Guercino.
Der Besuch
Der Eingang liegt in der Via Balbi 10, fünf Gehminuten vom Bahnhof Genova Piazza Principe entfernt und direkt neben der Universität. Das staatliche Museum umfasst die Repräsentationsräume, die Galerie und den Hängegarten mit Blick über die Dächer von Prè und den Hafen: Von hier führte die königliche Brücke von 1885 über die Straße hinweg zum Anleger, bis sie 1964 der Hochstraße weichen musste. Thronsaal, Audienzsaal und Ballsaal richtete der Bühnenbildner Michele Canzio 1842 zur Hochzeit von Vittorio Emanuele II. und Maria Adelaide neu ein.
Tipp der Redaktion
Wir heben uns den Hängegarten für den Schluss auf, am besten am späten Nachmittag: Nach all den Spiegeln und dem Stuck rückt der Blick auf die Dächer von Prè und die Hafenkräne die Maßstäbe wieder zurecht. Und in der Spiegelgalerie sehen wir uns die Skulpturen vor den Bildern an: Es sind echte römische Marmorwerke, deren fehlende Teile im Barock ergänzt wurden, und herauszufinden, wo die Antike aufhört und die Ergänzung beginnt, füllt die halbe Besichtigung.
