🏰 Burgen und Schlösser

Villa Altachiara

📍 Portofino, Ligurien · 48/100

Der Name ist die italienische Übertragung von Highclere, dem englischen Stammsitz der Earls of Carnarvon: 1874 ließ Henry Herbert, der vierte Earl, die Villa für seinen Sohn George bauen, einen Jungen von schwacher Gesundheit, den die Ärzte an Sonne und Meer haben wollten. Dieser Sohn wurde der fünfte Earl und finanzierte die Expedition Howard Carters, die 1922 das Grab des Tutanchamun öffnete. Fast neunzig Jahre lang blieb das Haus bei den Herberts und wurde zu einer kleinen Literatenkolonie: Hier lernte Evelyn Waugh 1937 Laura Herbert kennen, seine spätere zweite Frau.

Sehenswertes

Von außen liest man den Umriss eines eklektizistischen Wohnhauses auf zwei Hauptebenen: steinverkleidete Fassaden, breite Fenster, Terrassen über dem Abgrund. Es gibt rund dreißig Zimmer, der Park misst mehr als 35.000 Quadratmeter. Den Saal mit dem Kamin richtete der Bühnenbildner und Architekt Lorenzo Mongiardino ein. 1961 verkaufte Auberon Herbert das Anwesen an einen italienischen Industriellen; kurz darauf ging es an die Brüder Agusta aus der Flugzeug- und Motorradbranche, und Corrado ließ es umbauen: breitere Zufahrt, Schwimmbad, Hubschrauberlandeplatz, Turnhalle und Spielplatz.

Bekannt ist die Villa auch durch einen Kriminalfall. In der Nacht zum 8. Januar 2001 stürzte Gräfin Francesca Vacca Agusta, die Witwe Corrados, aus dem Garten auf die Klippen; es folgten Jahre der Ermittlungen, der Erbstreitigkeiten und des Leerstands. 2015 ging das Anwesen für über fünfundzwanzig Millionen Euro an den russischen Unternehmer Eduard Khudaynatov, und seit 2022 steht es auf der Liste der von der Europäischen Union eingefrorenen Vermögenswerte nach dem Überfall auf die Ukraine.

Der Besuch

Altachiara ist Privatbesitz und nicht zu besichtigen: keine Tickets, kein offener Garten, das Tor bleibt zu. Am besten sieht man sie vom Wasser aus, von den Schiffen zwischen Portofino, Santa Margherita Ligure und Rapallo: Das Haus erscheint vollständig über dem Fels, der Park fällt in Terrassen bis zur Wasserlinie ab. Vom Land aus sind die Umfassungsmauern hoch, und die Küstenstraße bietet keine Haltemöglichkeit.

Tipp der Redaktion

Wir nehmen das Schiff, am besten auf der Rückfahrt nach Santa Margherita: Man verlässt den Hafen mit dem Nachmittagslicht auf der Küste, und die Villa hebt sich gut zehn Sekunden lang vom Grün ab. Zu Fuß bleiben nur Durchblicke, weil die Pinien des Parks fast alles verdecken; das sollte man wissen, bevor man sie sucht.

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