🏰 Burgen und Schlösser

Villa Beatrice

📍 Portofino, Ligurien · 48/100

Eine Burg, die nie eine Burg war: Gino Coppedè entwarf sie um 1913 für Attilio Odero, Senator und Unternehmer im Schiffbau, und gab ihr Turm, Loggien, vorspringende Balkone und Biforien, als hätte sie schon immer auf der Landzunge gestanden. Die Villa Beatrice, in Portofino von vielen weiterhin Castello Odero genannt, ging nach dem Zweiten Weltkrieg an Enrico Piaggio, den Sohn von Elena Odero, danach an die Familien Tonolli und Costa-Ardissone. 2021 kaufte sie Belmond, die internationale Hotelgruppe, die 2018 an die Holding LVMH der Familie Arnault ging.

Sehenswertes

Das Gebäude erhebt sich über vier Ebenen, der Turm steht daneben, an den Hauptbaukörper angesetzt statt mit ihm verschmolzen: die auffälligste Geste Coppedès, eines Architekten, der mit Zitaten arbeitete und hier aus dem neugotischen Repertoire schöpfte. Die Oberflächen zählen so viel wie die Silhouette: Naturstein, verzierter Putz mit Einlagen aus bunten Fliesen, weißer Zement. Von Weitem wirkt alles mittelalterlich, im Detail ist es frühes 20. Jahrhundert.

Den Rest macht die Lage. Die Villa steht steil über dem Meer auf der Spitze Punta Cajega, mit einem großen Garten, der in den Wald des 1935 gegründeten Regionalen Naturparks von Portofino übergeht. Das Grün hinter dem Haus ist keine private Gestaltung, sondern Schutzgebiet, und deshalb ist ringsum fast nichts weiter gewachsen.

Der Besuch

Es gibt keine Besichtigung: Die Villa ist Privatbesitz und nur von außen zu sehen. Der natürliche Blickpunkt ist das Wasser, von den Booten, die nach Portofino kommen, und von jedem vorbeifahrenden Schiff, denn nur von dort liest man die ganze Front auf einmal, den Turm eingeschlossen. Vom Land erwischt man sie in Ausschnitten, von den Parkwegen, die zwischen Pinien und Steineichen zum Ort hinabführen, fast nie ganz.

Tipp der Redaktion

Machen Sie einen Vergleich. Auf der Landzunge steht eine zweite Villa, die Burg spielt: Altachiara. Betrachten Sie beide nacheinander vom Meer aus, am besten am späten Nachmittag, wenn das flache Licht die bunten Fliesen aufleuchten lässt. In zwei Minuten verstehen Sie, worum es den Genueser Reedern am Anfang des Jahrhunderts ging: nicht um ein Haus am Meer, sondern um eine Bühnenkulisse, gebaut, um vom Wasser aus gesehen zu werden.

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