🏰 Burgen und Schlösser

Castello Sforzesco

📍 Milano, Lombardei · 81/100

Das Castello Sforzesco ist zweimal entstanden. Zuerst als Castello di Porta Giovia, eine Festung, die Galeazzo II. Visconti zwischen 1368 und 1370 quer über die Stadtmauer bauen ließ und die seine Nachfolger bis zu einem quadratischen Grundriss mit 200 Meter langen Seiten, vier Ecktürmen und sieben Meter dicken Umfassungsmauern erweiterten. 1447 von der Ambrosianischen Republik zerstört, wurde sie ab 1450 von Francesco Sforza wieder aufgebaut, dem Söldnerführer, der Bianca Maria Visconti geheiratet und sich das Herzogtum erobert hatte.

Unter Ludovico il Moro beherbergte die Burg ab 1494 einen der prunkvollsten Höfe Europas: Leonardo da Vinci malte mehrere Säle der herzoglichen Wohnung aus, und Bramante arbeitete für den Herzog. Im 16. und 17. Jahrhundert zählte sie zu den wichtigsten Militärzitadellen des Kontinents; dann restaurierte Luca Beltrami sie zwischen 1890 und 1905 im historistischen Stil und machte daraus, was sie heute ist: Sitz von Museen und Kulturinstitutionen und, neben dem Dom, eines der Wahrzeichen Mailands.

Sehenswertes

Das berühmteste Stück ist die Sala delle Asse, wo Leonardo 1498 ein Geflecht aus Zweigen und Früchten sowie Monochrome von Wurzeln und Felsen malte: eine illusionistische Laube mitten in der Festung. Von der Ausstattung des 15. Jahrhunderts blieb auch die herzogliche Kapelle erhalten, an der Bonifacio Bembo arbeitete, während vom kolossalen Reiterdenkmal für Francesco Sforza nichts übrig ist: Französische Soldaten zerstörten es, bevor es überhaupt fertig war.

Der Eingangsturm trägt den Namen Filaretes, des Architekten, den man 1452 zusammen mit Jacopo da Cortona für den mittleren Turm verpflichtete: Er zerstritt sich rasch mit den Mailänder Ingenieuren, die er abschätzig Maurer nannte. Der ursprüngliche Turm stürzte 1521 ein, als das dort gelagerte Schießpulver versehentlich explodierte; der heutige ist Beltramis Rekonstruktion.

Der Besuch

Die Anlage gehört zu den größten Burgen Europas und wird Hof für Hof durchschritten — daran misst du die Ausmaße der Festung und des Herzogshofs. Ein Detail zeigt, was die Sforza-Baustelle bedeutete: Der Kalk startete in Mergozzo und erreichte Mailand nach über 110 Kilometern Fahrt auf dem Toce, dem Lago Maggiore, dem Ticino und schließlich dem Naviglio Grande. Um die Arbeiten zu finanzieren, legte Francesco Sforza allen Städten des Herzogtums eine Fuhrsteuer auf.

Tipp der Redaktion

Durchquere die Burg von einer Seite zur anderen: Du kommst durch den zur Stadt gewandten Turm herein und trittst hinten direkt ins Grün des Parco Sempione hinaus. Und wenn du Zinnen und Türme betrachtest, denk an Moskau: 1485 arbeitete der Architekt Pietro Antonio Solari am Kreml, und die Ähnlichkeit der beiden Festungen hat alles andere als zufällige Mailänder Wurzeln.

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