Die Pinacoteca di Brera liegt im gleichnamigen Palast, mit über 24.000 Quadratmetern einer der größten Baukomplexe Mailands, gewachsen aus einem alten Konvent der Humiliaten, der 1571 an die Jesuiten überging, nach Plänen von Francesco Maria Richini neu errichtet und 1776 von Giuseppe Piermarini vollendet wurde. Das Museum ist ein Kind der napoleonischen Zeit: Mit der Aufhebung von Kirchen und Klöstern beschloss man, in Mailand einen Querschnitt der Kunstproduktion des Königreichs Italien zusammenzutragen, und die „Reale Pinacoteca“ wurde am 15. August 1809 eröffnet, an Napoleons Geburtstag; die Säle selbst öffneten am 20. April 1810.
Der Palast ist bis heute ein Bienenstock von Institutionen: neben der Pinakothek beherbergt er die 1776 von Maria Theresia von Österreich gegründete Akademie der Schönen Künste, die Nationalbibliothek Braidense, den Botanischen Garten und die Sternwarte, an der Giovanni Schiaparelli vierzig Jahre lang arbeitete. Im Arkadenhof beherrscht das von Antonio Canova entworfene Denkmal für Napoleon I. das Bild.
Sehenswertes
Die Sammlung ist auf venezianische und lombardische Malerei spezialisiert, mit Kernbeständen von Bellini, Mantegna, Carpaccio, Tizian, Veronese und Tintoretto, die schon in napoleonischer Zeit hierherkamen. Raffaels Vermählung Mariä war das Schlüsselbild der ersten Sammlung; Caravaggios Abendmahl in Emmaus kam dagegen dank der Amici di Brera her, des 1926 gegründeten Vereins. Der Rundgang reicht heute bis in das zwanzigste Jahrhundert, mit den Sammlungen Jesi und Vitali, und seit 2024 wird der Flügel für moderne Kunst im nahen Palazzo Citterio gezeigt: die Vollendung jener „Grande Brera“, die der Denkmalpfleger Franco Russoli schon in den Siebzigerjahren gefordert hatte.
Der Besuch
Die Säle tragen auch die Spuren der jüngeren Geschichte: 1943 ließen die Bombenangriffe die Gewölbe von sechsundzwanzig der vierunddreißig Räume einstürzen, während die Werke von der Direktorin Fernanda Wittgens längst in Sicherheit gebracht worden waren; der Wiederaufbau, im Februar 1946 begonnen, verdankt sich auch dem Geld Mailänder Familien wie der Bernocchi. Seit 2001 zeigt die Reihe „Brera Mai Vista“ alle drei Monate kleine Ausstellungen restaurierter Werke aus den Depots des Museums.
Tipp der Redaktion
Halte im Hof vor Canovas Napoleon inne, bevor du hinaufgehst, und steuere bei knapper Zeit direkt die Vermählung Mariä von Raffael und das Abendmahl in Emmaus von Caravaggio an, die beiden Bilder, um die sich die Geschichte des Hauses dreht. Hast du mehr Zeit, nimm den Botanischen Garten hinter dem Palast dazu und die neue Präsentation im Palazzo Citterio: Zusammen zeigen sie, was „Grande Brera“ wirklich heißt.
