Neben dem Museum für Wissenschaft und Technik, das seit 1947 das Kloster einnimmt, steht eine Kirche, für die kaum ein Museumsbesucher die Straße überquert. Dabei liegt San Vittore al Corpo an einer der wichtigsten Stellen des spätrömischen Mailand: Unter der Eingangstreppe liegen die Fundamente eines kaiserlichen Mausoleums, des Ortes, an dem die Kaiser bestattet wurden, als Mailand Hauptstadt war. Der Name am Leib kommt wohl von dem Gräberfeld, das hier vor den Mauern lag und das eine Urkunde von 864 schlicht dort, wo es der Leib heißt nennt.
Sehenswertes
Die Kirche, die man heute sieht, stammt aus dem sechzehnten Jahrhundert, weit und hell, mit einem einzigen Schiff und Seitenkapellen; die Olivetanermönche bauten sie von Grund auf neu und tilgten fast alles Frühere. Über das Gewölbe läuft der von Daniele Crespi gemalte Zyklus mit den Geschichten des heiligen Benedikt: große Gestalten, knappe Gesten, keine Theatralik, und es ist das Beste in der Kirche. An den Wänden hängen Leinwände von Camillo Procaccini und den anderen lombardischen Malern derselben Generation.
Das geschnitzte Chorgestühl hinter dem Hochaltar stammt vom Ende des sechzehnten Jahrhunderts, jede Rücklehne mit eigener Szene. Doch der Teil, der den Ort erklärt, liegt darunter und daneben: die Reste des spätantiken Mausoleums am Eingang und die der Umfassung, die es umgab, sichtbar in einem der Höfe des Museums. Auf der einen Seite der Mauer die Geschichte der Wissenschaft, auf der anderen das Grab der Kaiser: So etwas gibt es nur in Mailand.
Der Besuch
Die Kirche liegt in der Via San Vittore, fünf Minuten zu Fuß von der Metro Sant'Ambrogio und an das Museum angebaut; Eintritt frei, mittags und während der Gottesdienste geschlossen. Eine halbe Stunde. Die Grabungen unter der Treppe sind nur zu besonderen Anlässen zugänglich, zu prüfen.
Tipp der Redaktion
Machen Sie Kirche und Museum am selben Tag, in dieser Reihenfolge: zuerst Crespi und das Chorgestühl, dann das U-Boot und Leonardos Maschinen. Fragen Sie aber vor dem Museum nach dem Hof mit den römischen Resten: Er liegt wenige Meter von der Kasse, ist schlecht ausgeschildert, und fast niemand geht hin. Es ist die Mauer um das Grab der Kaiser des Westens, mitten zwischen zwei Bürogebäuden.
