Die Piazza del Duomo ist groß, weil Mailand ein Viertel abgerissen hat, um sie zu schaffen. Bis ins neunzehnte Jahrhundert lag vor der Kathedrale ein Gewirr aus Häusern, Läden und Lauben, und den Dom sah man nur, wenn man aus einer Gasse den Kopf hob. Dann beschloss die Stadt, einen Raum zu öffnen, der ihrem Ehrgeiz entsprach: Alles wurde niedergelegt, die beiden Laubenpaläste an den Längsseiten entstanden, und die Galleria wurde durchbrochen. Der Architekt des Ganzen, Giuseppe Mengoni, starb 1877, als er wenige Tage vor der Einweihung vom Gerüst seiner eigenen Galleria stürzte.
Sehenswertes
Der Dom steht gegenüber mit seinen Fialen und Statuen und lässt für nichts anderes Platz; doch der Platz hat seine eigene Regie. Links öffnet sich der Bogen der Galleria Vittorio Emanuele, die zur Scala führt; rechts steht der Arengario, der steinerne Bau der Mussolini-Zeit, heute Museo del Novecento. In der Mitte blickt das Reiterdenkmal Viktor Emanuels auf die Fassade, und das Pflaster zeichnet den großen leeren Raum, in dem sich die Mailänder versammeln, sooft etwas geschieht, zum Feiern oder zum Protest.
Der Platz steht nie still: In derselben halben Stunde durchqueren ihn Touristen in der Schlange für das Dachdach, Angestellte auf dem Weg ins Büro, Tauben, Demonstrationen, Verkäufer. Es ist der Punkt, an dem sich die Stadt im Spiegel betrachtet, mit allem, was dazugehört, einschließlich der Taschendiebe, die dort arbeiten, wo Leute mit dem Telefon in der Hand und dem Kopf im Nacken stehen.
Der Besuch
Man kommt mit der Metro, Station Duomo, oder zu Fuß von überall im Zentrum. Der Platz ist immer offen; Dom, Terrassen und Museum haben eigene Karten und lange Schlangen, die man besser vorbucht. Das Museo del Novecento liegt im Arengario, und in der Galleria isst man teuer. Eine halbe Stunde für den Platz, ein Nachmittag für alles, was auf ihn blickt.
Tipp der Redaktion
Kommen Sie um sieben Uhr morgens, bevor die Läden öffnen: Der Platz ist leer, die tiefe Sonne streift die Fassade, und der Candoglia-Marmor wird rosa. Es ist der einzige Augenblick des Tages, in dem man begreift, wie groß er ist. Steigen Sie später ins Museo del Novecento hinauf: Vom Fenster des obersten Geschosses, unter dem Neon von Lucio Fontana, erscheint der Dom gerahmt wie ein Bild.
