Das Portal blickt weder ins Tal noch auf den Platz: Es öffnet sich an der rechten Seitenwand, denn eine Fassade gibt es schlicht nicht. San Silvestro klemmt zwischen zwei Felsvorsprüngen, die Front und Apsis verdecken; sichtbar bleiben nur die Längswände und der Glockenturm, der auf dem Sporn neben der Apsis steht und eine Zwiebelhaube aus farbiger Majolika trägt.
Sehenswertes
Das Portal lohnt den Umweg. Auf jeder Seite drei runde Säulchen: das innere glatt, das mittlere gedreht wie ein Seil, das äußere mit Fischgrätmuster. Alle drei enden oben an einem Kapitell, aus dem ein menschliches Gesicht zwischen Blattwerk hervorschaut. Über dem Architrav wiederholt eine halbrunde Lünette innen dasselbe Repertoire, während der äußere Rahmen eine kleine Geschichte erzählt: Eine stilisierte Pflanze wächst links aus dem Mund eines gemeißelten Kopfes und endet rechts in einer Amphore. In der Lünette hing einst das Wappen von Pio Augusto Crivellari, von 1958 bis 1966 Bischof von Trivento; heute wird es im Inneren aufbewahrt.
Drinnen drei Schiffe, an der Rückwand die Empore mit der Orgel. An der Wand des rechten Seitenschiffs hängt jenes Stück, das am besten erklärt, wie diese Kirche gelebt wurde: ein hölzernes Kruzifix mit beweglichen Armen. Sie ließen sich an den Körper anlegen, wenn die Figur in der Karfreitagsprozession ohne Kreuz getragen wurde. Wenige Schritte weiter, neben dem Nebeneingang, erinnert eine Inschrift daran, dass Alfonso Mariconda, Bischof von Trivento, am 4. März 1726 Kirche und Hochaltar weihte und den jährlichen Gedenktag auf den ersten Sonntag im September verlegte. Am Ende des linken Seitenschiffs liegt eine Kapelle der Madonna Incoronata.
Der Besuch
Erst aus der Ferne schauen, von der Straße hinauf zur sogenannten „Terra di basso“: Nur von dort wird das Verhältnis von Kirche, Fels und Glockenturm verständlich. Dann zu Fuß hinauf. Der Bau, im 13. und 14. Jahrhundert errichtet und nach Erdbeben immer wieder geflickt, erschließt sich nur beim Umrunden, Stück für Stück.
