🏰 Burgen und Schlösser

castello D'Alessandro

📍 Pescolanciano, Molise · 47/100

Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts betrat man die Burg von Pescolanciano über eine einziehbare Treppe am Bergfried auf der Nordostseite: Wer unerwünscht war, blieb draußen. Dann schlossen die D'Alessandro diesen Zugang und ließen einen neuen mit Zugbrücke anlegen, 1691 vollendet. Der Umbau erzählt das Gebäude am besten: eine Festung, die allmählich aufhört, sich zu verteidigen, und anfängt zu empfangen.

Der befestigte Palast hat einen fünfeckigen Grundriss und steht auf dem Felssporn, dem peschio, der dem Ort den Namen gab, unmittelbar über den Häusern. Gesicherte Nachrichten setzen im 13. Jahrhundert ein, als der Lehnsherr Ruggero di Peschio Lanciano von Friedrich II. den Auftrag erhielt, gegen feindliche Lehen vorzugehen; der Zug brach 1224 von hier auf. Als die D'Alessandro am Ende des 16. Jahrhunderts auf die Eboli folgten, fanden sie getrennte Wehrbauten vor, einen anjouinischen Turm und einen Mauerring; die Arbeiten fügten alles zu einem einzigen Block zusammen.

Sehenswertes

Im Zentrum der Festung liegt die Hauskapelle, 1628 mit Marmorintarsien, Stuck und Gemälden fertiggestellt. Herzog Fabio ließ 1673 die Reliquien des Märtyrers Alexander samt dem Gefäß mit seinem Blut aus Rom herbringen; sie wurden zu einer Wachsfigur zusammengesetzt, ein corpo santo, wie es die Echtheitsurkunde festhält. Draußen stehen das Wachhäuschen aus dem 17. Jahrhundert mit arabeskenverziertem Balkon, die Magazine, die Stallungen, die Schießschartenfenster und die steinernen Sockel. Die Eingangsfassade wirkt dagegen wie ein Stadtpalais: Sie wurde 1849 wiederaufgebaut, nach den Schäden des Erdbebens von 1805, als die Anlage militärisch längst bedeutungslos geworden war.

Der Besuch

Die Burg ist nicht täglich geöffnet. Seit 2018 veranstalten die Gemeinde und der Verein Intramontes Führungen, Ausstellungen und Kulturabende an festen Terminen und nach Voranmeldung; ein Blick in den Kalender lohnt sich vor der Anfahrt. Ein Teil der Räume gehört noch der Familie, ein Teil der öffentlichen Hand, und beide verwalten sie gemeinsam.

Tipp der Redaktion

Wer wählen kann, kommt am 26. August zum Fest des Märtyrers Alexander: Die alte Feier wurde 1996 wiederaufgenommen, und die Herzogskapelle tut wieder das, wofür sie gebaut wurde. Und fragen Sie nach dem Krieg: 1943 unterhielten die Deutschen hier ein Hauptquartier für die Cassino-Front und zogen, für ihre Verhältnisse ungewöhnlich, ab, ohne etwas zu sprengen.

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