⛪ Kirchen und Heiligtümer

Santuario italico di Pietrabbondante

📍 Pietrabbondante, Molise · 54/100

Bei der Grabung der ältesten Schichten fanden die Archäologen vor allem Waffen. Sie gehörten nicht den Verteidigern: Es war Beute, den geschlagenen Gegnern abgenommen und hier der Göttin Victoria geweiht — der einzigen Gottheit, deren Namen ein beim größeren Tempel gefundenes Bronzeblech sicher überliefert. Das erklärt zugleich eine Leerstelle: Im übrigen Samnium tauchen alte Waffen kaum auf, weil sie alle hier oben landeten.

Das Heiligtum liegt auf 966 Metern am Hang über dem Trigno-Tal und war keine Kultstätte wie die anderen. In den übrigen samnitischen Heiligtümern — San Giovanni in Galdo, Vastogirardi, Campochiaro, Schiavi d'Abruzzo — fanden Bühnenspiele statt; hier tagte zusätzlich das concilium, die Versammlung des Senats. Die Inschriften nennen die höchsten Beamten des Staates: den meddix tuticus, den Zensor, den Quästor. Näher an eine Hauptstadt sind die pentrischen Samniten nie gekommen.

Sehenswertes

Theater und Tempel gehen auf einen einzigen Entwurf zurück, von einem namenlos gebliebenen Architekten; gebaut wurde ab etwa 120 v. Chr., bis der Bundesgenossenkrieg jede öffentliche und private Finanzierung versiegen ließ. Das Theater folgt kampanischen Vorbildern: Der Grundriss erinnert an Sarno und an das kleine Theater von Pompeji, während das Podium des größeren Tempels dem Tempel von Capua nachgebildet ist. Der ältere, kleinere Tempel steht im Nordosten und ist über einen Säulengang mit Läden mit dem Theater verbunden.

Die Überraschung steckt im Grundriss des größeren Tempels. Auf dem Podium, hinter der mittleren Freitreppe, liegt nicht eine Cella, sondern drei, nach etruskischem und latinischem Brauch: Er war also einer Trias geweiht und bleibt der einzige bekannte Fall in der italischen Architektur. Die Gebäude stehen auf parallelen Längsachsen, nach Ostsüdost ausgerichtet; den Höhenunterschied von acht Metern zwischen beiden Enden der Terrasse hat der Entwurf aufgefangen. Zufall ist hier nichts.

Tipp der Redaktion

Schauen Sie hinauf zum Monte Saraceno, der den Horizont im Rücken schließt. Auf dem Gipfel, auf 1212 Metern, stehen noch die Polygonalmauern einer Wehrburg, Teil des Verteidigungssystems, das die Samniten im 4. Jahrhundert v. Chr. nach dem ersten Zusammenstoß mit Rom errichteten: Diese Anlagen lagen in Sichtweite zueinander und bildeten ein Netz zur Kontrolle des Gebiets. Der Pfad am Osthang folgt einer schon in der Antike begangenen Linie. Eine große Straße hat hier nie vorbeigeführt — vielleicht ist das Heiligtum gerade deshalb bis zu uns gekommen.

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