🏰 Burgen und Schlösser

Villaggio Monte degli Ulivi

📍 Riesi, Sizilien · 55/100

Im Jahr 1961 gründete ein waldensischer Pfarrer, Tullio Vinay, in Riesi ein diakonisches Zentrum. Die protestantische Minderheit Italiens ist historisch alpin, und Riesi ist ein sizilianischer Schwefelort, damals in tiefer Krise durch die Schließung der Gruben: Vinay wollte der Armut, dem Analphabetismus und der Kriminalität begegnen, die dieser Zusammenbruch mit sich brachte.

Sehenswertes

Zum Bauen gab er sich nicht mit Hallen zufrieden: Er rief Leonardo Ricci, einen Florentiner Architekten aus waldensischer Familie, der schon das ökumenische Zentrum Agape über Prali im Piemont entworfen hatte, von Vinay nach dem Krieg gegründet. Die Anlage besteht aus sechs Gebäuden, zwischen 1963 und 1966 von örtlichen Firmen zusammen mit einer Gemeinschaft von Freiwilligen errichtet.

Der Name kommt vom Hügel, auf dem sie steht, verweist aber auch auf den Ölberg der Evangelien. Mit der Zeit kamen ein Gästehaus, ein Sportplatz, eine Einrichtung für die Rehabilitation Behinderter sowie Hallen und Zisternen für die Landwirtschaft hinzu: Hier baut man Oliven, Mandeln und Gemüse an. Im Untergeschoss der einstigen Mechanikerschule zeigt eine Fotoausstellung die Geschichte des Zentrums.

Der Besuch

Die Anlage liegt am südöstlichen Rand von Riesi, Provinz Caltanissetta; sie ist ein Arbeitsort mit einer Gemeinschaft, die dort lebt und wirkt, ein Besuch will also abgesprochen sein, und man streift nicht umher wie in einem Museum. Eine Stunde.

Tipp der Redaktion

Schauen Sie, wie die sechs Gebäude am Hang sitzen: Ricci hat den Hügel nicht eingeebnet, er ist ihm gefolgt, und der Beton geht mit dem Gelände, statt es zu beherrschen. Es ist italienische Architektur von Rang an einem Ort, an dem niemand danach sucht, und der einzige Weg, sie zu sehen, ist sich zu erinnern, dass sie kein Denkmal ist: Sie ist eine seit sechzig Jahren offene Baustelle.

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