Am 23. August 1474 unterschrieb Antonello da Messina vor dem Notar Antonio Mangianti den Vertrag mit dem Priester Giuliano Maniuni: Er sollte eine Verkündigung für die Kirche der Annunziata in Palazzolo Acreide malen. Die Lindenholztafel, 180×180 cm, blieb dort oben jahrhundertelang, bis der Kunsthistoriker Enrico Mauceri sie 1897 als Werk Antonellos erkannte. Sie ist heute der Hauptgrund, im Palazzo Bellomo ins Obergeschoss zu steigen, in einem Gebäude, das für sich genommen schon das halbe mittelalterliche Syrakus erzählt.
Sehenswertes
Die Verkündigung ist übel zugerichtet bei uns angekommen, die Farbe ist an mehreren Stellen abgeplatzt und die Restaurierung hat die Fehlstellen nicht kaschiert, und doch trägt sie noch alles: die kniende Maria mit vor der Brust gekreuzten Armen, die Taube, die durch das offene Fenster hereinkommt, den Engel mit dem Palmzweig, halb von einer Säule verdeckt, und das Damastgewand, Faden für Faden ausgeführt. Perspektive und Licht schauen auf Piero della Francesca, die Details auf die flämische Malerei: Antonello hatte beide Lektionen in Neapel gelernt.
Der übrige Bestand versammelt, was aus Kirchen und Klöstern von Syrakus und der Provinz kam, chronologisch geordnet: die beiden Sarkophage der Statthalter der Camera Reginale, Giovanni Çabastida und Giovanni Cardenas, Skulpturen von Francesco Laurana und Antonello Gagini, Bilder von Mario Minniti, Caravaggios Begleiter in Syrakus, und von Guglielmo Borremans, die Wachsarbeiten von Gaetano Zummo, liturgisches Silber. Im Hof sind die Wappen der abgerissenen Porta Ligny eingemauert. Der Palast selbst zeigt zwei Bauzeiten auf einen Blick: Das bastionierte Erdgeschoss und das gotische Portal sind staufisch, das Obergeschoss mit den Biforien gehört ins 15. Jahrhundert, katalanische Gotik wie beim Palazzo Abatellis in Palermo. 1365 kam er an die Familie Bellomo; 1722 kauften ihn die Nonnen von San Benedetto und nutzten ihn als Lager und Schlafsaal, Museum wurde er erst 1948.
Der Besuch
Via Capodieci 16, in Ortigia, wenige Dutzend Meter von der Arethusa-Quelle und fünf Minuten vom Dom entfernt: Man kommt zu Fuß hin, wie überall auf der Insel. Das Haus ist klein und fast nie voll, 2022 zählte es 19.630 Besucher, weniger als der Dom an einem einzigen Nachmittag; vor der Verkündigung steht man also ohne Schlange. Eine Stunde genügt, anderthalb, wenn man der chronologischen Abfolge der Säle wirklich folgt. Seit 2009, als das Museum nach langer Restaurierung wieder öffnete, gibt es Buchhandlung und Café; den Hof mit der Außentreppe durchquert man gleich am Eingang.
Tipp der Redaktion
Wir gehen zuerst hinauf zur Verkündigung, bevor das Auge müde wird, und schauen sie zweimal an: einmal aus der Entfernung, wegen der gemalten Architektur, dann aus einem Schritt Abstand, wegen des Palmzweigs und des Damasts am Engel. Danach steigen wir hinunter und gehen den Rundgang von vorn, der sich mit dieser Tafel im Kopf besser liest. Und wenn der Aufseher sagt, der Sarkophagsaal sei offen, sollte man ihn nicht auslassen: Die beiden steinernen Kästen der Statthalter erzählen das aragonesische Syrakus besser als jede Texttafel.
