Im Zentrum von Montalcino erzählt die Kirche Santa Croce eine Geschichte vom Verschwinden und Wiederkommen. Sie wurde über den Resten eines älteren Oratoriums neu errichtet und war Sitz einer Laienbruderschaft aus dem 14. Jahrhundert — eine jener Bruderschaften, die in den Städten der Toskana über Jahrhunderte Andachten und Armenfürsorge organisierten. Mit der Aufhebung der Bruderschaft 1785 war auch das Schicksal des Gebäudes besiegelt: Es wurde aufgegeben.
Fast ein Jahrhundert später kam die Wiedergeburt: 1872 wurde die Kirche restauriert und erneut dem Gottesdienst übergeben. Zu diesem Anlass schenkte ihr die Stadtverwaltung von Montalcino ein Freskobild der Madonna della Provvidenza, gemalt im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts und stilistisch der Manier des sienesischen Malers Bernardino Fungai zugeordnet.
Sehenswertes
Alles dreht sich um die Madonna della Provvidenza: ein Fresko vom Beginn des 16. Jahrhunderts, das diese kleine Kirche in den Umkreis der sienesischen Malerei des 15. und 16. Jahrhunderts rückt, also genau in die Zeit Fungais. Dass die Stiftung von der Gemeinde kam und nicht von einem Bischof oder einer Familie, ist ein ungewöhnliches Detail, das viel über Italien nach der Einigung sagt und über die neue Rolle der Kommunen als Hüter des Kulturerbes.
Auch das Gebäude selbst liest sich wie ein Palimpsest: Unter der heutigen Gestalt stecken die Reste des älteren Oratoriums und die Erinnerung an die Bruderschaft des 14. Jahrhunderts, die hier über vier Jahrhunderte lang ihren Sitz hatte.
Der Besuch
Für die Kirche brauchst du nur wenige Minuten, und wie bei vielen kleineren Bauten in Montalcino sind die Öffnungszeiten unregelmäßig. Sie fügt sich mühelos in einen Spaziergang durch die Altstadt ein, die du in einem halben Tag bequem abgehst, zwischen Gassen, Werkstätten und Ausblicken auf das Val d'Orcia.
Tipp der Redaktion
Wenn die Tür offen steht, nimm dir Zeit für das Fresko der Madonna della Provvidenza und sieh es dir aus der Nähe an. Denk dabei an seinen doppelten Weg: gemalt zu Beginn des 16. Jahrhunderts, geschenkt von der Stadtverwaltung 1872. Steig danach hinauf zur Festung aus dem 14. Jahrhundert. Der Gegensatz zwischen der militärischen Anlage der Rocca und dieser kleinen Bruderschaftskirche zeigt die zwei Seelen des mittelalterlichen Montalcino: die Stadt, die sich verteidigte, und die Stadt, die sich kümmerte.
