Nach San Gimignano kommt man wegen der Türme, und fast alle bleiben auf dem Platz stehen. Sant'Agostino liegt am anderen Ende des Ortes, zehn Minuten weiter, und wer hinkommt, findet eine von Menschen fast leere und von Malerei volle Kirche: Hinter dem Hochaltar liegt der Freskenzyklus mit dem Leben des heiligen Augustinus von Benozzo Gozzoli, siebzehn Szenen, und es ist das Meisterwerk, das in San Gimignano niemand erwartet.
Sehenswertes
Der Zyklus erzählt das Leben des Heiligen als Fortsetzungsgeschichte: das Kind, das zur Schule gebracht und vom Lehrer geschlagen wird, das Studium, die Reise, die Bekehrung, der Tod. Gozzoli malte Architekturen, Landschaften und Kleider seiner eigenen Zeit, also des fünfzehnten Jahrhunderts, sodass jene Szenen mehr über das damalige Leben sagen als über das im vierten Jahrhundert.
Es gibt auch einen großen heiligen Sebastian, vom selben Maler als Votivbild nach einem Pestausbruch gemalt: Der Heilige schützt die Stadt mit dem Mantel, während oben Christus die Pfeile der Ansteckung schleudert. In der Kapelle des heiligen Bartolo steht dagegen ein Marmoraltar von Benedetto da Maiano. Die Kirche selbst stammt aus dem dreizehnten Jahrhundert, aus Ziegeln, streng, mit hohen gotischen Fenstern an den Flanken.
Der Besuch
Die Kirche liegt an der Piazza Sant'Agostino, am Nordende der Altstadt; Eintritt frei, mittags geschlossen, im Winter kürzere Zeiten. Eine halbe Stunde. Man tritt gewöhnlich durch die Seitentür ein, und zum Beleuchten der Fresken gibt es den Münzautomaten.
Tipp der Redaktion
Gehen Sie am späten Nachmittag hin, wenn die Busse abgefahren sind: Im Chor hinter dem Altar sitzt man allein vor siebzehn Szenen, die niemand ansieht. Treten Sie dann in den Kreuzgang des fünfzehnten Jahrhunderts nebenan, der still und fast immer leer ist, und drehen Sie eine Runde unter dem Portikus, bevor Sie zum Platz zurückgehen.
