1556 begann in Norcia der Bau der neuen Konkathedrale Santa Maria Argentea. Sie entstand neben der Festung Castellina und ersetzte den alten romanischen Dom aus dem 10. bis 11. Jahrhundert, der für die Festung des 16. Jahrhunderts abgerissen wurde. Die Erdbeben der Valnerina trafen die Kirche immer wieder; eines im 18. Jahrhundert ließ den gotischen Glockenturm einstürzen und führte zum klassizistischen Neubau mit drei Schiffen. Beim Beben vom 30. Oktober 2016 stürzte der Bau größtenteils ein. Die Arbeiten zur Restaurierung und zum Wiederaufbau haben 2024 begonnen.
Sehenswertes
Außen zeigt die Konkathedrale eine Giebelfassade aus rauem Bruchstein, in die sich das klassizistische Portal einfügt: ein Dreiecksgiebel auf Kompositsäulen, seitlich Nischen mit Statuen, darüber eine Fensterrose. An der linken Flanke hat sich ein kostbares gotisches Spitzbogenportal erhalten, das aus der alten mittelalterlichen Pfarrkirche stammt. Im Inneren hingen das Altarbild von Cristoforo Roncalli mit der Madonna und den Heiligen Spes, Santolo, Fiorenzo und Eutizio, ein Fresko des 16. Jahrhunderts von Francesco Sparapane mit der Jungfrau und dem Kind sowie den Heiligen Benedikt und Scholastika und eine Leinwand von Giuseppe Paladini für den heiligen Vinzenz Ferrer. Von außergewöhnlichem Rang waren die hölzernen Kruzifixe von 1494 aus der Hand des Giovanni Teutonico: Sie wurden aus einem einzigen Holzblock ausgehöhlt und mit stuckgetränkten Hanfschnüren überzogen, damit die Adern plastisch hervortraten. Bei der Restaurierung kamen in der Schädelkalotte Spuren von Weihrauch zum Vorschein, mit denen man rituelle Rauchschwaden austreten ließ. Auf der Empore an der Innenfassade stand die Pfeifenorgel, die Adriano Fedeli zwischen 1743 und 1744 in ein reich geschnitztes, vergoldetes Gehäuse baute.
Der Besuch
Nach dem Einsturz von 2016 und dem Beginn des Wiederaufbaus 2024 wurden die Bauteile und das Geläut des Glockenturms aus dem 18. Jahrhundert gesichert und ausgelagert. Die erste Glocke (1838 von Nicola Marinelli gegossen) und die zweite (1999 von De Poli gegossen) kamen 2017 in das Gemeindezentrum Santa Maria delle Grazie, die dritte Glocke von 1704 steht auf der Piazza San Benedetto, und die vierte von 1568 ist in einem Museum in Spoleto zu sehen.
Tipp der Redaktion
Geh außen an der linken Seite entlang und achte auf die feine Linie des gotischen Spitzbogenportals: Es überstand den Abbruch des ersten Doms aus dem 13. Jahrhundert und wurde im 16. Jahrhundert in den heutigen Bau eingefügt.
